Cornwell, Bernard - Das Zeichen des Sieges / Azincourt

Cornwell, Bernard - Das Zeichen des Sieges / Azincourt

Beitragvon Stefan Jahnke » 22. Apr 2012, 18:34

Rezension

Buchtitel: Das Zeichen des Sieges / Azincourt
Autor: Bernhard Cornwell
Genre: Historischer Roman
Verlag: Wunderlich / Rowohlt Verlag GmbH
Auflage/Jahr: 1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-8052-0878-9
Buch: 560 Seiten, Gebundene Ausgabe, 21,2x13,8x4,4cm


Düstere Atmosphäre irgendwo in England 1415. Der König sammelt Krieger um sich, um seinen Thronanspruch auf dem französischen Festland zu manifestieren, mit Waffengewalt zu erringen, was weder Glaube, Familienbande noch halbwegs kluge Verhandlungen bisher vermochten.

Als Soldat kann sich inzwischen so gut wie jeder verdingen. Nur Aufstieg in den Reihen der Bewaffneten darf man nicht erhoffen, wenn kein edles Blut durch die eigenen Adern fließt.
Nicholas Hook ist nur der Sohn eines Schäfers. Trotzdem stellt er sich mit dem Bogen weitaus geschickter an, als manch Adeliger. Das verschafft ihm einen guten Platz in einem der vielen kleinen Heere, jedoch ebenso Feinde, Söhne hochwohlgeborener Herren oder auch nur Neider, die ihn selbst bei gutem Willen nicht übertrumpfen können.
Hook hat noch Ideale, ist nicht so abgestumpft, wie viele andere, sieht in Menschen das Leben und nicht nur eine Gesinnung oder deren Glaube, den man in vielen Teilen der Welt verfolgt. So schlägt er Sir Martin, einem Geistlichen, der ein Lollardenmädchen nicht nur missbraucht, sondern bestialisch umbringen lässt, muss daraufhin fliehen, um seinem ärgsten Feind Perrill zu entgehen und am Leben zu bleiben.

Er verdingt sich an anderem Ort als Bogenschütze für die gerade nach Frankreich ziehende Armee König Henrys V. und erwirbt schnell das Vertrauen seines neuen Dienstherrn.
In Frankreich stehen die Dinge schlecht für die Engländer. Monate brauchen sie für die Einnahme der ersten Stadt, werden von Hunger und Krankheit geschwächt.

Cornwell versteht es, die Zeit zu beschreiben, Gegenden, bekannt aus heutigen Tagen, in die Vergangenheit zu rücken und Personen perfekt zu zeichnen, ihre Gestik, ihre Gedanken, ihr Tun fast schon vorausahnen zu lassen. Natürlich kommen ihm die vielen, wenn auch zum Teil widersprüchlichen Berichte über die berühmte und als Wendepunkt der Politik zwischen England und Frankreich bezeichnete Schlacht von Azincourt zugute, die er nicht nur aufwendig studierte, sondern gar im Nachsatz der Geschichte nach wissenschaftlichen Analysen wertete. Obgleich auch dies kein Garant für die Richtigkeit seiner Annahmen und der beschriebenen Abläufe ist. Doch wie schreibt der Autor sinngemäß selbst? Für einen historischen Roman reicht eine gute Story. Für ein wissenschaftliches Werk müssen die Fakten stimmen. Und die können sich bei jeder neuen Ausgrabung, jedem Fund eines weiteren Briefes aus damaliger Zeit oder auch einer neuen Lehrmeinung ändern.
Etwas langatmig stoßen die Beschreibungen der Belagerung von Harfleur sowie der lange Marsch nach Azincourt und der dortigen Schlammschlacht auf. Darüber kann selbst die einfühlsame Liebesgeschichte zwischen Hook und der durch ihn einst geretteten Französin Melisande nicht hinweghelfen. Etwas Straffung und nicht laufend ähnlich, gar gleich beschriebene Bilder von Schlamm, anstrengendem Waten durch diesen und dem Kampf gegen nasse Bogensehnen hätten dem Buch sicher gut getan.

Das Cover der gebundenen Ausgabe der 1. Auflage wirkt ebenso düster, wie wohl jene Tage vor und während der Schlacht. Trostlos liegt ein Wappenschild samt Bogen und Pfeil auf zur Abwechslung einmal trockenem Waldboden. Etwas ansprechenderer Einsatz eines authentischen Gemäldes der Schlacht oder anderer Bildelemente ist wünschenswert.
Der Autor versuchte, mit seinem Werk einen Kampf und vielleicht auch die Sinnlosigkeit eines Sieges zu schildern. Die wirkliche Geschichte bewies, dass alle damalige Aufopferung leider nichts anderes brachte, als unendlichen Verlust auf beiden Seiten. Der Eindruck entsteht, dass ein heutiges Laufen über trockene Ebenen bei Azincourt nur möglich wurde, weil die toten Leiber Zigtausender Kämpfer Schlamm und Wasser aufsogen.

Ein Buch, das nachdenklich stimmt? Ja, denn die Sinnlosigkeit des Krieges, aber auch die Macht der Liebe werden beschrieben und regen zum Nachdenken an.
Ein Buch, das man nicht gern aus der Hand legt? Nein. Das viele Schlachten und damit verbundenes ewiges Waten durch den Schlamm müssen einmal ein Ende haben.
Ein Buch, das man gelesen haben muss? Eine bunte Aufbereitung der historischen Schlacht ohne vollständigen Anspruch an die Wahrhaftigkeit ist eine Abenteuergeschichte. Wer solches mag?
Ein Buch, das neugierig macht? Ich möchte nicht dabei gewesen sein. Trotzdem würde ich es noch einmal wagen und zu einem Cornwell-Buch greifen.

© + ® der Rezension:
Stefan Jahnke, Dresden
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