Ebert, Sabine - Das Geheimnis der Hebamme

Ebert, Sabine - Das Geheimnis der Hebamme

Beitragvon Stefan Jahnke » 28. Jun 2011, 19:55

Rezension

Buchtitel: Das Geheimnis der Hebamme, Bd. 1 der 5-teiligen Hebammen-Saga
Autor: Sabine Ebert
Genre: Historischer Roman
Verlag: Knaur Taschenbuch 2006, 21. Auflage
ISBN: 978-3-426-63412-7
Buch: 672 Seiten, PB, 12,5x19,5x3,8cm

Sich auf etwas gänzlich Neues einzulassen, erfordert neben viel Zeit, sich auch voll und ganz dahinein geben zu können, zusätzlich Mut und den festen Willen, bei Rückschlägen nicht sofort zu verzweifeln. Neues kann im praktischen Tun und auch im Erleben liegen.
So beobachtete ich den Hebammenboom eine Weile als stiller Beobachter und wagte mich dann auf der Leipziger Buchmesse nicht nur in eine Lesung der Autorin, sondern erwarb ebenfalls ihren ersten Band der Hebammensaga, den sie mir freundlicherweise signierte.

Sabine Ebert, in Aschersleben geboren, nun seit Jahren in Freiberg lebend, wagte sich mit dem Buch ebenfalls auf Neuland. Die Geschichte, wie aus ihrer Idee ein nunmehr auf fünf Bände angelegter Zyklus wurde, ließt sich wie ein Abenteuerroman mit gutem Ausgang. Sie beschreibt dies im Nachwort ihres ersten Bandes hineichend, geht auch bei Lesungen genau darauf ein.

Die Siedlerzüge, die im 12. Jahrhundert Sachsen erreichten und die Mark Meißen durch Siedlungen festigen sollten, sind belegt. Dass daraus einmal der größte Silberfund Sachsens resultiert und die Wettiner, bis dato eine kleine auf Macht besessene Herrscherkaste in verschiedenen Gebieten des Kaiserreiches, nunmehr aufsteigen und für uns bis heute kaum vorstellbare Reichtümer anhäuften, kann man in der Geschichte de Sachsen nachlesen.

Der Reiz nicht nur des Erzählstiles der Autorin, sondern gerade ihrer Geschichte liegt an der beweglich angelegten Figur, die eben nicht nur von einer alten Heimat in eine neue zieht und dort lebt und versucht, ein wenig Freude und Ruhe zu finden. Vielmehr kann Marthe als Hebamme Menschen helfen, sich damit Freunde, leider auch Feinde schaffen, durch ihre Gönner zum Markgrafen, aber mit diesem ebenso zum Kaiser reisen.
Frauen in ihrer Zeit erreichten nicht viel. Wenn sie als Edelfreie einen einflussreichen Herrscher zum Manne bekamen, lag dies meist daran, dass ihr Vater Gebiete, Einfluss und Macht sichern wollte, oder aber einfach einen unnützen Esser aus dem Haus brachte.

Marthe hat Glück. Doch die Autorin lässt nicht nur eitel Sonnenschein über dem heutigen Freiberg, der Mark Meißen und dem ganzen Kaiserreich scheinen, sondern bettet die Geschichte geschickt in die bekannten oder von ihr zusätzlich aufwendig recherchierten wahren Ereignisse der Zeit ein. Kaiser Friedrich, der Staufer, genannt Barbarossa, sein Gegenspieler Heinrich der Löwe, die wettinische Familie, Aufstieg und Fall mancher Recken an den verschiedenen Höfen sind sicher mehr oder weniger vermerkt und nachzulesen. Marthe jedoch ist eine einfache Frau, die später zu für sie ungeahnten Ehren und Sicherheit kommt, obwohl sie einer Tätigkeit nachgeht, die in vielen Fällen nur ein paar Jahre nach der Zeit, in der Eberts Buch spielt, auf dem Scheiterhaufen endete und auch in den Jahren der Gründung Freibergs, das damals noch Christiansdorf hieß, zu peinlichen Verhören durch unnachsichtige religiöse Eiferer führte. Aber Marthe ist vorsichtig und schafft sich Freunde.

Das Cover, welches bei Herausgabe Eberts vierten Buches der Saga geändert wurde und nun eher zu Geschichte, Zeit und Ort passt, vermittelt die Schüchternheit des Mädchens Marthe, das sich, noch nicht volljährig, aber im heiratsfähigen Alter, auf die gefährliche Reise von der Heimat nach Meißen, vom sicheren Tod in Wohlstand und Familie begibt.

Klar und wiedererkennbar zeichnet die Autorin die Personen. Die Rede ist an unsere heutige, leider nicht belegte, Auffassung der damaligen Sprache angepasst, doch verständlich und nie langweilig. Landschaften, Ereignisse, Ausrüstungen und Kleidung entstehen beim Leser förmlich in Gedanken und man ist unweigerlich gezwungen, der Reise der Marthe nachzufiebern, sie zu unterstützen, ihr bei drohender Gefahr beizustehen.
So lebendig kann auch jeder nachfolgende Band nicht langweilig werden. Und ob Randolff, der arge Widersacher Ritter Christians, des Gründers von Christiansdorf, der natürlich auch in Marthe eine Feindin erkennt und ihr das Leben schwer macht, dann auch noch dabei ist, hängt wieder einmal vom Kampf ab, einem Kreuzzug, auf den man im Mittelalter wohl immer gehen musste, wenn man im eigenen Lande seinen Stern sinken sah.

Ein Buch, das den Leser munter hält? Ja, natürlich.
Ein Buch, das man gelesen haben muss? Wenn man eine geschickt in die bekannte Geschichte eingeflochtene Story einfacher Leute in längst vergangener Zeit erleben will, dann ja!
Ein Buch, das neugierig macht auf mehr? Ich will Band zwei lesen.
Ein Buch im guten Erzählstil? Spannend, interessant und einprägsam. Also: Ja!

Lüften Sie es… das Geheimnis der Hebamme.

Weitere Informationen im Internet unter http://www.sabine-ebert.de und http://www.kraur.de.

© + ® der Rezension:
Stefan Jahnke, Dresden
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