Ebert, Sabine - Der Fluch der Hebamme

Ebert, Sabine - Der Fluch der Hebamme

Beitragvon Stefan Jahnke » 21. Aug 2011, 16:39

Rezension

Buchtitel: Der Fluch der Hebamme, Bd. 4 der 5-teiligen Hebammen-Saga
Autor: Sabine Ebert
Genre: Historischer Roman
Verlag: Knaur Taschenbuch 2010, 1. Auflage
ISBN: 978-3-426-50606-6
Buch: 720 Seiten, PB, 12,5x19,5x3,8cm

Jedes Leben geht einmal zu Ende. Das war schon vor Beginn unserer heutigen Zeitrechnung so und das wird noch sein, wenn sich niemand mehr an uns oder auch ein gedrucktes Werk zum Lesen erinnert.

Der vierte Teil der Hebammensaga von Sabine Ebert zeigt gleich beim Einlesen, aber auch von der Aufmachung her, dass nicht nur die Autorin während der Entstehung ihrer Bände wächst, sondern auch der Verlag erkennt, dass man mir solch einem Pfund, wie der Ebert, und vor allem ihrem Werk anders umgehen sollte, als mit einem, mit Verlaub gesagt, ‚Feld-, Wald- und Wiesen-Autor. Schon die einheitliche Neugestaltung der Cover der gesamten Reihe mit Erscheinen des vierten Bandes, die dazu extra durchgeführte Fotosession und natürlich die umfangreichen An-lagen zum Buch zeigen dies.
Marthe hat sich gewandelt. Nicht nur die junge Frau auf dem Cover machte einen Entwicklungs-prozess durch, sondern auch die Romanfigur. Und alle sind wieder dabei… soweit sie das Ende des dritten Bandes überlebten.

Trotzdem bringt der Tod Verwirrung. Es ist ja kein Geheimnis des Inhaltes dieses Bandes, wenn ich erwähne, dass Markgraf Otto der Reiche, der gemeinsam mit seiner Frau nicht nur Christiansdorf, das heutige Freiberg, förderte, sondern stets die schützende Hand über Christian, Lukas und Marthe hielt, auch er muss das Zeitliche segnen. Jedes Geschichtsbuch verrät uns das. Genauso, wie die Verwicklungen im Streit um seine Nachfolge, die schon zu Lebzeiten Ottos darin gipfelte, dass Albrecht, Ottos Erstgeborener, seinen Vater aus Angst vor dem Verlust seines Erbes gefangen nimmt. Dass sich ein Vater von so etwas schwer oder gar nicht erholt, ist sicher nachvollziehbar.

Gut jedoch, und das wissen wir als aufmerksame Leser der vorherigen drei Bände genau, dass Albrecht einen gehörigen Respekt vor der Kraft weiser Frauen und deren angeblichem Hang zur Zauberei hat. Als er es besonders arg treiben will, geschieht das, was diesem vierten Band den Namen gibt… Marthe verflucht den neuen Markgrafen von Meißen und er setzt fortan alles daran, sie zum Widerruf zu bringen. Doch sie verschwindet spurlos.

Wieder schafft es die Ebert, ihre Gestalten, die wir eigentlich schon genau zu kennen glaubten, neu zu ordnen, ihnen Kräfte, Siege und Niederlagen zuzuschanzen, sie auch zum Spielball der Geschichte zu machen.
Einen großen Raum gibt die Autorin dieses Mal dem letzten Kreuzzug Kaiser Friedrichs von Staufen, genannt Barbarossa. Selten las ich eine so detaillierte und doch nicht ins Wissenschaft-liche abgleitende Darstellung dieser Ereignisse, die schließlich… man kann es wieder in den Geschichtsbüchern nachlesen… mit dem Tode des großen Kaisers enden. Auch noch so, wie man es nicht einmal einem Feind wünschen würde.

Die Ebert agiert geschickt mit ihren Figuren. Selbst schreibt sie dazu, dass sie die bewegliche Ge-stalt der Marthe nutzen wollte, um eben nicht nur die reine Freiberger Geschichte aufzubereiten, sondern ihre Hebamme ebenso in die Welt zu schicken. Doch sie nutzt diese Vorteile auch bei anderen, uns ebenso vertrauten Gestalten, kann so eben jenen Kreuzzug begleiten, sich gleich-zeitig um den in Vertretung des Kaisers die Heimat regierenden König kümmern, weitere aktuelle Entwicklungen aus der Mark Meißen, dem Bistum und natürlich der Silbererzstadt Freiberg selbst darstellen. Und doch ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt.

Die Wahlfreibergerin legt sich fest auf fünf Bände. Sicher wird es den Lesern der nun vorliegenden Vier ähnlich gehen, wie mir… man wartet auf den nächsten Band. Und danach? Dann wird neben der Genugtuung, nun alles rund um die Hebamme zu kennen, auch ein wenig Trauer sein, dass es zu Ende ist. Aber noch haben wir nicht Oktober 2011. Noch bleibt die Vorfreude auf Band fünf.

Ein Buch, das Geschichte und Fiktion wunderbar und spannend verbindet? Natürlich!
Ein Buch, das viele Fragen aufwirft? Unbedingt, denn wir wissen wenig über die damaligen Jahre.
Ein Buch, das glaubhaft wirkt? Das geschickte Spiel zwischen belegten Fakten und erdachter, aber verbindender Handlung gelingt der Autorin ausgesprochen gut.
Ein Buch, das Neugier auf den letzten Band weckt? Auf jeden Fall.

Wird er ewig halten… der Fluch der Hebamme?

Weitere Informationen im Internet unter http://www.sabine-ebert.de und http://www.kraur.de.

© + ® der Rezension:
Stefan Jahnke, Dresden
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