Ebert, Sabine - Die Entscheidung der Hebamme

Ebert, Sabine - Die Entscheidung der Hebamme

Beitragvon Stefan Jahnke » 12. Jul 2011, 20:29

Rezension

Buchtitel: Die Entscheidung der Hebamme, Bd. 3 der 5-teiligen Hebammen-Saga
Autor: Sabine Ebert
Genre: Historischer Roman
Verlag: Knaur Taschenbuch 2008, 5. Auflage
ISBN: 978-3-426-63835-4
Buch: 672 Seiten, PB, 12,5x19,5x3,8cm

Oft haben die Jüngeren zu hören, dass früher alles besser war. Natürlich ist die heutige Jugend nicht vergleichbar mit der, die die Führer jener Reden damals in ihren jungen Jahren darstellte. Und doch ist bei jedem, der sich dies anhört der fahle Beigeschmack, es könne doch nicht sein. Jede Zeit wird stets ihre Eigenarten haben, jeder Mensch ist anders und niemand sollte nur nach Beispielen leben.

Als ich den dritten Band der Hebammensaga in die Hand nahm, fragte ich mich, wie wohl die Geschichte um die einst junge Marthe weitergehen würde, ob ihr ein friedliches und ruhiges Leben in Christiansdorf, dem heutigen Freiberg, beschieden sein könnte. Dabei war mir schon klar, dass die Verwicklungen sicher kein Ende nehmen.
Einige geschichtliche Persönlichkeiten und Abläufe sind überliefert. Das zähe Ringen um Haldensleben, der Kniefall Heinrich des Löwen vor Barbarossa und auch die vielen Toten, die der Kampf mitten im Kaiserreich kostete und der alle schwächte.
Geschichtsunterricht pur? Ja und nein.

Ebert versteht es, ihre Figuren als die einzubauen, die genau an den richtigen Stellen in der Historie unseres Deutschlands auftauchen und deren Anwesenheit man nicht einmal als gespielt oder absichtlich so gestaltet empfindet.
Marthe, die nur knapp dem Tode entkam, als man sie der Häresie, der Hexerei anklagte, muss Höllenqualen durchleben, versteht nur zu gut, dass auch ihre Tochter Clara, die mit denselben Gaben gesegnet wurde, wie einst sie selbst, in ernster Gefahr schwebt und dass der alte Pater Sebastian nur auf eine Gelegenheit wartet, ihr doch noch einen endgültigen Prozess zu machen, sie also als Hexe verurteilt zu wissen.

Doch was sind kirchliche Zwiste, die Ängste einer Frau um ihren Seelenfrieden schon gegen den Machtkampf mitten in der Familie Wettin, aber auch zwischen den Fürsten und Grafen des Reiches? Können zwischen alldem Liebe und Zuneigung überhaupt existieren?

Christian, der Gründer von Christiansdorf, dem heutigen Freiberg, konnte schon mehrfach Hass und offener Todeslust seiner Feinde entkommen. Aber ob der Liebe zwischen ihm und Marthe, der Hoffnung auf eine gute Zukunft des Dorfes und der Gunst von Markgraf und Kaiser ein Fortbestand zugebilligt werden kann?

Die Autorin versteht es auch in diesem nun schon dritten Band genau herauszuarbeiten, wie wenig eine Frau, ein Web in der damaligen Zeit des 12. Jahrhunderts zählte. Ein Wunder fast, dass trotzdem einige Ehefrauen hochgestellter und uns heute noch bekannten Persönlichkeiten auf ihre Männer Einfluss nehmen konnten. Ich denke dabei an die Gemahlin Barbarossas, aber auch an Hedwig, Ehefrau Otto des Reichen, der bei nüchterner Betrachtung der damaligen Um-stände und Gegebenheiten nicht nur die langjährige Zukunft der Wettiner im heutigen Sachsen sicherte, sondern durch die Ideen seiner Frau jenen Reichtum, aber auch die unglaubliche Siedlungspolitik im Erzgebirge vorantrieb. Auch wenn er dies natürlich auf keinen Fall zugeben wollte, es später jedoch erkennen musste.

Goslars Silbergruben, die einst Heinrich dem Löwen gehörten, versiegten, als dieser in Wut über seine Entmachtung alles in jenen Gebieten niederbrennen ließ. Dass sich Sachsen heute noch für dieses Tun bedanken müsste, wollen wir alle nicht wahrhaben. Die Geschichte belegt jedoch, dass viele der ehemaligen Goslarer Bergleute nach Freiberg zogen und dort nicht nur ihren Lebensunterhalt sicherten, selbst einigen Reichtum anhäuften, sondern auch Markgraf Ottos An-sehen und Macht erweiterten.

All dies darf Marthe miterleben, gar mitgestalten. Und doch ist sie nicht glücklich.
Können sie und ihr Ehemann, Burgvogt Christian, ihre Liebe und ihre Gaben und Weitsicht da-zu nutzen, selbst zur Ruhe zu kommen?

Ein Buch, das die Vergangenheit auferstehen lässt? Natürlich!
Ein Buch, das viele Fragen aufwirft? Unbedingt, denn wir wissen wenig über die damaligen Jahre.
Ein Buch, das glaubhaft wirkt? Das geschickte Spiel zwischen belegten Fakten und erdachter, aber verbindender Handlung gelingt der Autorin ausgesprochen gut.
Ein Buch, das Neugier auf den nächsten Band weckt? Auf jeden Fall.

Wie wird sie ausfallen… die Entscheidung der Hebamme?

Weitere Informationen im Internet unter http://www.sabine-ebert.de und http://www.kraur.de.

© + ® der Rezension:
Stefan Jahnke, Dresden
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