Einsle, Hans - Ich, Minos, König von Kreta

Einsle, Hans - Ich, Minos, König von Kreta

Beitragvon Stefan Jahnke » 2. Sep 2012, 16:54

Rezension

Buchtitel: Ich, Minos, König von Kreta
Autor: Hans Einsle
Genre: Reisen und Historie
Verlag: Casimir Katz Verlag 1987 / Gustav Lübbe Verlag 1994
ISBN: 978-3-4042-5232-9
Buch: 636 Seiten, PB, 18,6 x 12,4 x 4,2 cm


Eine Person zu beschreiben, deren Leben nicht vollständig bestätigt, deren Macht nicht bekannt und deren Existenz gar in Abrede gestellt wird, ist sicher nicht einfach.

Das Cover ziert in der dem Rezensenten vorliegenden Version ein auf einem Thron sitzender Herrscher. Ihn umgeben griechisch-ionische Säulen, er trägt einen Lorbeerkranz und scheint Anweisungen zu geben. Da das Buch im Minoischen spielen soll, sind dort wohl einige Fehler vorhanden. Oder nicht?

Der Einstieg ins Buch bringt es an den Tag. Der Stoff beginnt nach der großen Katastrophe auf Santorin im 15. Jahrhundert vor Christi. Heute noch gehen nicht nur in Indiana-Jones-Filmen Gerüchte um, dass vielleicht Kreta und die Minoer eine Art Vorbild für die Geschichte um Atlantis gewesen sein könnten. Denn bis eben zu jener Katastrophe beherrschten sie nicht nur militärisch, sondern vor allem in der Wirtschaft den Raum des östlichen und mittleren Mittelmeeres, waren geschickt im Kunsthandwerk, besonders in der Töpferei, vollbrachten Wundern in der Baukunst und wurden von Völkern als Herrscher oder Vorherrschaft anerkannt, die weitaus gefährlicher und gewaltiger gewesen sein sollen.

Der Vulkanausbruch kam, die Schiffe der Minoer wurden durch Flutwellen, ähnlich heute bekannter Tsunamis, davongefegt, die Produktionsstätten, militärischen Basen und Paläste verschwanden und viele Menschen kamen elendiglich um, wagten sich selbst Jahre später noch kaum ans Tageslicht, von Bergen herunter oder gar an die ehemals so gewaltige und bekannte Produktion. Ein Volk war gebrochen.

Soweit zur kurz abgehandelten Vorgeschichte des Buches.

Natürlich gab es auch nach dem Vulkanausbruch, dessen Folgen man heute noch besonders an der damals geborstenen Insel Santorin, aber ebenso auf Kretas Nordostseite sehen kann, noch Menschen im Mittelmeerraum. Und einige Mächte wurden nicht einmal ein wenig geschwächt. Diese, die schon seit Jahrzehnten nach einer ähnlichen Macht, wie sie die Minoer besaßen, gierten, konnten nun zuschlagen. Ein junger Herrschersohn soll mit Gefolge und einigen Schiffen Kreta besetzen, die Insel für die Familie, seinen Stamm also, einnehmen, retten, was zu retten ist und vielleicht gar vieles wieder in Gang setzen.

Einsle versteht es, mit seiner lockeren und doch an die damalige Zeit nach unserer heutigen Ansicht angepassten Schreibweise und einem guten Erzählstil, den Leser zu fesseln, ihm Einblick in viele Eigenheiten der Zeit, des Landes, aber auch beim Umgang mit Menschen und Katastrophen zu geben. Natürlich kann er sich dabei auch nur auf den jeweils aktuellen Stand der Archäologie und anderer Wissenschaften stützen, versucht, anhand heute noch zelebrierter Lebensfreude auf Kreta, Erfahrungen bei Ausgrabungen eines Arthur Evans in Knossos und anhand kaum veränderter Berichte griechischer Philosophen eben jene Jahre nach dem Tage Null zu rekonstruieren. Die Ausschweifungen erinnern an Berichte über den griechischen Olymp oder, um in der aktuellen Zeit zu bleiben, an Auszeichnungsveranstaltungen diverser Drückerkolonnen großer und weltweit agierender deutscher Versicherungsgesellschaften in Budapest. Doch von Letzterem konnte der Autor bei Entstehung des Buches noch nichts wissen.

Die Aussage des Buches ist eine einfache und doch wichtige.
Macht wird immer wieder neu verteilt und vergeht nie ganz. Glanz jedoch kann verschwinden. Alles, was wir tun, ist zum Schluss doch abhängig vom Willen anderer… oder eben der Natur. Durch sie kommen wir zur Welt, mit ihr leben wir und sie nimmt uns zurück. Durch Katastrophen, Gift, Mord oder einfach, weil der Tag des natürlichen Lebensendes gekommen ist.

Ein Buch, das begeistert? Wenn man schon einmal im griechischen Gebiet unterwegs war, vielleicht einen Urlaub dort verbrachte oder Geschäfte tätigte, wird man dieses Buch lieben, denn es gibt ungeahnte Einblicke ins Wesen der Griechen, das sich bis in heutige Krisenzeiten hinein bewahrte und selbst bei Berichten um Intrigen Parallelen zum Jahr der Rezension zulässt.
Ein Buch, das nicht loslässt? So ist es. Der Leser will erfahren, was Minos trieb, wie er lebte, wie er starb, ob er seinen Traum und gleichzeitig seinen Auftrag erfüllte.
Ein Buch, das neugierig auf eine Fortsetzung macht? Sicher wäre eher ein Buch über die minoische Zeit vor Santorin interessant. Der Schreibstil Einsles jedoch macht Lust auf mehr.
Ein Buch zum Weiterempfehlen? Auf jeden Fall unbedingt vor oder während eines Kretabesuches zu lesen. Dann kann der Leser viele der beschriebenen Orte gleich besuchen.
In jeder Zeit gab es Menschen, die anderen halfen und eben auch solche, die sie ausnutzen. Denken wir an Kaiser, Könige, Päpste und edle Ritter. Auf Kreta war es ähnlich.

Weitere Informationen im Internet z. B. unter http://www.luebbe.de.

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Stefan Jahnke, Dresden
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