Franz, Andreas - Das Syndikat der Spinne

Franz, Andreas - Das Syndikat der Spinne

Beitragvon Stefan Jahnke » 2. Sep 2012, 17:30

Rezension

Buchtitel: Das Syndikat der Spinne
Autor: Andreas Franz
Genre: Kriminalroman
Verlag: Droemer Knaur, 1. Auflage 2002
ISBN: 978-3426619049
Buch: 640 Seiten, PB, 18,3 x 11,4 x 3,4 cm


Andreas Franz, der 2011 plötzlich und für seine Leser, sicher auch für seine Familie und Freund verstarb, hinterließ einen großen Schatz an Kriminalromanen, die sich mit vielen Nuancen der Verbrechen in Deutschland und der ganzen Welt beschäftigen. Manchmal, wenn man seine Werke genauer betrachtet und erfolgreich gelöste Fälle mit der Realität oder aber den Aussagen hinter eben diesen Fällen genauer betrachtet, kommen schon Gedanken derart in den Kopf, dass das Verbrechen längst alle Teile in Bevölkerung, Macht, Politik und Wirtschaft eingenommen hat und nur hin und wieder zugelassen wird, dass ein kleiner Fall aufgeklärt werden kann, während die tatsächlich großen Fälle weiterhin im Verborgenen bleiben.

Im Syndikat geht es um weltweite Verwicklungen. Das Cover der vorliegenden Ausgabe ist mehr als nur wenig aussagekräftig, könnte weitaus spannender gestaltet werden. Genau, wie auch die sprachliche Gestaltung des Buches. Der Gedanke drängt sich auf, dass Franz einen Abgabetermin verstreichen lassen haben könnte und somit bis zur geplanten Veröffentlichung nicht mehr genügend Zeit für ein ausreichend fachkundiges Lektorat, manchmal gar für ein einfaches Korrektorat fehlte.

Trotzdem ist die Geschichte fesselnd und der Leser wird nicht gelangweilt, wenn er zumindest der deutschen Sprache nicht zu sehr verhaftet ist. Vertieft man sich in den Stoff, den Fall sozusagen, können die sprachlichen Verirrungen und die Schwerfälligkeit der nieder-geschriebenen Gedankengänge nicht negativ auf den Gesamteindruck schlagen. Andernfalls schon. Dies ist man von Franz bzw. den bisher veröffentlichten Werken dieses Schriftstellers nicht gewohnt. Vielleicht liegt es auch daran, dass das Buch nicht zu seinen Bestsellern zu rechnen ist.

Mutig rechnet er dabei jedoch mit bestimmten Vorurteilen ab, die ein deutscher Schriftsteller nach zwei von deutschem Boden ausgelösten Weltkriegen im vergangenen Jahrhundert nach allgemein überholter Auffassung haben sollte. Sein hier besprochenes Werk ‚antisemitisch’ zu nennen, wenn man Ecos ‚Friedhof in Prag’ gelesen hat, geht nicht. Es jedoch konform mit der allgemeinen Auffassung der unterdrückten Juden und ihrer Unschuld an weltweiten Verwicklungen und finanziellen Desastern unserer Zeit zu bezeichnen, ist ebenso nicht möglich.

Die allgemeine Weltverschwörung, die Franz in diesem Buch hochleben lässt, ist seinen sonstigen Werken nicht würdig und wieder arbeitet sich der Gedanke in den Vordergrund, dass dieser Titel schnell erscheinen musste. Warum auch immer.

Die Moral dieses Werkes ist aus Sicht des Rezensenten nicht erkennbar. Vielleicht wäre eine Kürzung, eine Straffung auf die von Franz als besonders wichtig erachteten Abschnitte und eine einheitliche Handlung noch eine Rettung für das Buch. Doch nun sind Leser, Verlag und sicher auch Nachkommen und Erben des Autors in einer prekären Lage. Der Autor, der dazu seinen Segen geben könnte, ist leider schon tot. So frisch, wie diese Wunde sicher noch im Literaturmarkt Deutschlands einzuordnen ist, will sich niemand erdreisten, den Stoff nun schon aufzuarbeiten und so bleibt alles, wie es eben ist.

Die Kommissarin Durant, eine von Franz oft bemühte Ermittlerin, wird im Syndikat überfordert. Bisher gehegte Sympathien für diese Frau scheinen zu vergehen, ihre Professionalität wird durch Banalitäten überlagert. Zu lange und zu oft beherrschen alltägliche Vorkommnisse vom Salamibrötchen bis hin zur zigsten Zigarette und zu noch einem Getränk, der Bändelei mit Kollegen und anderer Kleinkram das Geschehen. Der Leser wird gelangweilt, die Geschichte verschwindet hinter alledem und zum Schluss bleibt die Lösung, die Aussage dürftig.

Ein Buch, das begeistert? Den Andreas-Franz-Fans mag man ans Herz legen: Nicht lesen und die schönen vielzähligen Geschichten des Autors im Gedächtnis behalten.
Ein Buch, das nicht loslässt? Der Rezensent musste leider mehrfach ansetzen, war nicht in der Lage, das Werk am Stück zu lesen, wurde mit dem Stoff unterfordert, mit dem Inhalt verschreckt und mit den vielen enthaltenen Fehlern genervt.
Ein Buch, das neugierig auf eine Fortsetzung macht? Dieses Werk bedarf keiner Fortsetzung. Täglich lesen wir in der Zeitung weitaus bessere Berichte über die Weltkriminalität. Sie nennen sich meist ‚Wirtschaft’ oder bieten genauere Zahlen der Börse.
Ein Buch zum Weiterempfehlen? Dem Rezensenten fallen auf einen Schlag verschiedene Franz-Titel ein, die er weiterempfehlen würde. Der hier Besprochene ist nicht dabei.

Bisher stand für den Rezensenten Andreas Franz für gut gemachte Unterhaltung vor faszinierend kriminalistisch beschriebener Ermittlung. Der Eindruck änderte sich leider zum negativen.

Weitere Informationen im Internet unter http://www.andreas-franz.org und http://www.kraur.de.

© + ® der Rezension:
Stefan Jahnke, Dresden
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