Franz, Andreas - Das Todeskreuz

Franz, Andreas - Das Todeskreuz

Beitragvon Stefan Jahnke » 16. Sep 2012, 17:38

Rezension

Buchtitel: Das Todeskreuz
Autor: Andreas Franz
Genre: Kriminalroman
Verlag: Droemer Knaur, 1. Auflage 2007
ISBN: 978-3-426-63480-6
Buch: 528 Seiten, PB, 18 x 11,4 x 3,2 cm



Kriminalfälle sind immer etwas Besonderes. Besonders tragisch, besonders bestialisch, besonders schwierig zu lösen, besonders schlimm. Andreas Franz, der 2011 plötzlich verstorbene Krimiautor ist bekannt für Verwicklungen, die kaum möglich erscheinen und bei weiterer Betrachtung doch das ganz normale Leben wiedergeben. Eben so brutal und schön, wie es ist. Vielleicht war selbst sein Tod ein Krimi? Wir wissen es nicht.

Das Todeskreuz in der vorliegenden Ausgabe verheißt schon auf dem Cover einen mystischen Hintergrund. Das erste Opfer, eine Anwältin, die sich nach einer steilen Karriere bei der Staatsanwaltschaft plötzlich für die Mitarbeit in einer Anwaltskanzlei entschied und einen recht üppigen Lebensstil pflegte, sich jedoch aufgrund einer Krankheit versteckte, kaum ihr Haus verließ, wird in einer recht zweifelhaften Pose auf ihrem Bett gefunden.

Die ermittelnde Kommissarin Durant steht aufgrund eines Zettels im Mund der Toten und vor allem eines in deren Rücken geritzten umgekehrten Kreuzes vor vielen Rätseln. Damit nicht genug. Weitere Morde geschehen, diesmal nicht in Durants Zuständigkeitsbereich, sondern in Offenbach, dem Revier von Kommissar Brandt, dem zweiten wichtigen Ermittler in Franz’ Krimis. Schon diese erste Zusammenarbeit, die der Rückentext des Buches verrät, verspricht einige Verwicklungen und vor allem eine Menge zu rauchende Zigaretten, Schnitten mit Salami und saurer Gurke, trockenen Sprüchen und natürlich der ewigen Jagd nach dem privaten Glück der Ermittler und ihrer Kollegen bei Staatsanwaltschaft, Pathologie und so weiter.

Franz hat eine recht eigene Sprache. Die schon aus anderen Werken bekannten Charaktere, die sich hier noch mehr begegnen, da die Nebenschauplätze, wie eben Pathologie usw. gemeinsam genutzt werden, können ihre Leidenschaften und natürlich ihre Spleens bei de Ermittlung aus-leben. Brandt ist der eher kühle, immer mehr überlegende Ermittler, die Durant die Drauf-gängerin. Beide fahren gern ihren Chefs über den Mund, was diese sogar tolerieren, wo sie doch wissen, dass sie von den Beiden nur beste Ergebnisse erhalten werden. Spannend also von der ersten Minute an.

Wie hängen Morde mit ähnlichen und doch unterschiedlichen Tathergängen und Zeichen zu-sammen? Die Toten waren irgendwann einmal an der Aufklärung eines Falles beteiligt. Doch sehr wenige wussten von deren damaligem Zusammenspiel im aufklärenden Staatsapparat. Und da zusätzlich noch einige der alten Akten verschwunden scheinen, lässt dies alles viel Raum. Franz versteht, diesen zu füllen.

Da sich die Ereignisse überschlagen, viele Zeugen und eventuelle Verdächtige zu vernehmen sind, kommen die Hauptpersonen gar nicht dazu, zu lange ihren sonst üblichen Klischees zu frönen. Und genau das macht diesen Krimi nach der Lektüre vieler anderer Werke des Autors zu einem wirklich lesenswerten Buch.

Wie immer tappt der Leser erst völlig im Dunkeln, versteht erst nach und nach die Zusammenhänge, die ihm jedoch gleich wieder auseinandergerissen werden. Dann glaubt man, einen oder mehrere mögliche Täter zu kennen, meint, den alten wie den neuen Fall gelöst zu haben, als schon wieder etwas geschieht, was alles Bisherige über den bekannten Haufen wirft. Vertieft man sich nach dem Kauf in der Bahnhofsbuchhandlung zu sehr in dieses Buch, besteht zumindest die Gefahr, dass man schnell seine Zielstation im Zug verpasst. Also… jeder ist gut beraten, sich einen Wecker zu stellen. Im Zeitalter der Handy-Alleskönner sicher kein Problem.

Ein Buch, das begeistert? Da der Mensch leider das am wenigsten und doch auch am besten durchschaubare Wesen auf Erden ist, sind alle Nuancen auch beim Gesetzesbruch möglich. Franz versteht, den Leser mitzunehmen und zu begeistern.
Ein Buch, das nicht loslässt? Die Kapitel sind einmal lang und einmal kurz. Immer will man bis zum Ende eines dieser Abschnitte lesen und liest dann doch gleich weiter.

Ein Buch, das neugierig auf eine Fortsetzung macht? Fortsetzung ist hier sicher das falsche Wort. Der Fall wird abgeschlossen. Das Übel ist jedoch nicht aus der Welt. Auch dabei blieb Franz Realist. Ob das gut ist? Jedenfalls wäre eine gute Fortsetzung, von wem auch immer, sicherlich problemlos möglich. Ein Teil der Täter überlebt in jedem Kriminalfall.
Ein Buch zum Weiterempfehlen? Wenn nicht dieses Franz-Buch… welches dann?

Selbst wenn der normale Mensch ein paar Stunden am Tag oder eher in der Nacht benötigt, um Kraft zu tanken für den nächsten Tag, so schläft das Verbrechen nie. Eher weitet es sich aus. Diejenigen, die Verbrechen bekämpfen sollen, sind auch nur Menschen. Anfällig wie alle anderen auch. Krankheiten, Bestechungen, eigenes Leid, Frust und so viele andere Dinge machen hin und wieder auch aus dem loyalsten Staatsdiener nur… einen Verbrecher.

Weitere Informationen im Internet unter www.andreas-franz.org und www.kraur.de.

© + ® der Rezension:
Stefan Jahnke, Dresden
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