Franz, Andreas - Letale Dosis

Franz, Andreas - Letale Dosis

Beitragvon Stefan Jahnke » 2. Sep 2012, 17:39

Rezension

Buchtitel: Letale Dosis
Autor: Andreas Franz
Genre: Kriminalroman
Verlag: Droemer Knaur, 1. Auflage 2000
ISBN: 978-3-4266-1713-7
Buch: 528 Seiten, PB, 18 x 11,4 x 3,2 cm


Wer darauf kam, dass Polizisten stets gegen ihre Chefs und vor allem gegen jeden gesunden Menschenverstand und den Dienstweg verstoßen müssen, um Erfolg zu haben, erschließt sich sicher nicht nur dem Rezensenten nicht wirklich. Fernsehen, Zeitschriften und Romane sind voll davon. Trotzdem sehen wir bei ‚echten’ Fällen und den dazu gehörenden Pressekonferenzen eher die normalen Polizisten, die ganz nach Vorschrift die einzelnen Wege beschreiten und eben wegen dieser Routine irgendwann einen wirklichen Erfolg, eine Überführung, eine Verhaftung und schließlich eine Verurteilung erleben können. Die ungemütlichen Typen sind vielleicht gut für einen Romanstoff, aber im wirklichen Polizeileben weder gewünscht noch erfolgreich.

Julia Durant ist jedoch so eine quer treibende Frau und Ermittlerin. Doch der Autor hält die manchmal gar arrogant wirkende Art der Polizistin nicht durch, vergeht sich in langatmige Berichte um Alltägliches, die vielleicht alles authentischer gestalten sollen, jedoch immer wiederkehrend langweilig und nervig wirken.

Schon beim Cover sparte man wohl eine Menge, denn trotz des spannend klingenden Titels wird diese Spannung wieder genommen. Schade, denn dies schafft eine gewisse Distanz zum Text.

Andreas Franz verstarb im Frühjahr 2011 für viele unerwartet an plötzlichem Herzversagen. Er wird gelobt als guter Autor. Trotzdem hat auch ein hervorragender Mensch einige Eingriffe in sein Werk nötig. Das war bei Karl May genauso, wie bei Johann Wolfgang von Goethe, und kaum ein wirklich erfolgreicher Autor kann mit einem Schreibstil, den man eher einem Gymnasialschüler zuordnen würde, als einem gestandenen Mann, auch nur ein Buch verkaufen. Trotzdem liegt dieses Buch vor und ist nach einer ausreichenden Lektüre auch zu rezensieren. Schön wäre es gewesen, wenn man sich für Korrektorat und vor allem Lektorat genau so viel Zeit genommen hätte, wie bei und nach Veröffentlichung für die Lobgesänge auf Story und Buch. Zumal sich die bisher bekannten Rezensionen schon sehr die Waage halten. Schreibt man dabei einem gewissen Teil der positiven Stimmen Gefälligkeit der Schreiber zu, überwiegen zum Schluss die negativen, was den Rezensenten nicht beeinflussen darf, ihm jedoch nach der Lektüre und genügend Zeit zum Nachdenken über Buch, Stil und Geschichte zur Bestätigung dieser negativen Stimmen trieb. Schade, aber nicht zu ändern.

Wiederholungen kennen wir aus dem Deutschen Fernsehen, besonders aus öffentlich-rechtlichen Programmen zur Genüge. Der Spruch ‚Mach den Fernseher aus und lies ein Buch’ kann hier zu noch mehr Frust führen, denn viele Abschnitte wiederholen sich fast wortwörtlich.

Der Rezensent wagt zu behaupten, dass man die eigentliche Geschichte durch bloßes Weglassen immer wieder auftauchender Szenen, in denen geraucht, Bier getrunken, sich an- oder ausgezogen und wiederholt über schon Bekanntes nachgedacht wird, auf die Hälfte der Seitenzahlen zusammenstutzen kann und damit gar noch einen flüssigen Roman entwickelt, der sich auf den Fall und die handelnden Personen konzentriert. Das würde nicht nur dem Verlag einiges Geld an Druckkosten sparen, sondern dem Autor und seiner Kommissarin gut tun. Ganz zu schweigen von den Bäumen oder Mengen an Recyclingmasse, die man am leben lassen oder für anderes nutzen könnte. Dem Namen ‚Andreas Franz’ hätte dies sicher gut getan. Seinem Andenken auch.

Ob man nun nachweisfrei mit exotischen Giften oder ohne Fingerabdrücke und sonstige Spuren mit einem Baseballschläger mordet, ist für einen Kriminalfall eigentlich egal. Die Exotik kann eine Menge Spannung aufbauen. Nur müsste man dann damit auch spannender, aussagekräftiger und vor allem nachvollziehbarer und doch überraschend umgehen. Bei Franz’ Wissen und weiteren Werken eigentlich schade, dass es nicht geschah.

Die Geschichte zu bewerten fällt, wie der Leser dieser Rezension sicher schon bemerkt, schwer. Leider hat der Rezensent nicht die Möglichkeit, immer dann, wenn er nicht mehr weiter weiß, von der Banalität des Textes geschockt ist, seine Kommissarin ‚eine rauchen zu lassen’ oder zum Dosenbier zu greifen.

Ein Buch, das begeistert? Die Geschichte ist von der Grundidee her gut. Leider verstand es der Autor nicht, sie spannend auszuarbeiten und niederzuschreiben.
Ein Buch, das nicht loslässt? Das Buch an einem Stück zu lesen, fällt schwer. Daher hält es den Leser nicht im Bann des Geschehens, sondern zwingt ihn zu unnötigen Erholungspausen.
Ein Buch, das neugierig auf eine Fortsetzung macht? Julia Durant ist keine Kommissarin, der man nachlaufen sollte. Vielleicht sollte der Rezensent erst einmal etwas anderes lesen.
Ein Buch zum Weiterempfehlen? Seichte Unterhaltung kann man mögen oder nicht.

Ob mit exotischem Gift, Zigarettenrauch oder Bier. Man kann sich mit vielem umbringen. Manchmal auch mit einem Buch. Man liest es oder wird damit erschlagen.

Weitere Informationen im Internet unter http://www.andreas-franz.org und http://www.kraur.de.

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Stefan Jahnke, Dresden
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