Jürgens, Antje - Etanas Söhne Teil 2, Band 3

Jürgens, Antje - Etanas Söhne Teil 2, Band 3

Beitragvon Stefan Jahnke » 29. Apr 2011, 22:32

Rezension

Buchtitel: Etanas Söhne Teil 2 – Arslan, Halil & Douglas - Band 3 – Ewige Verdammnis
Autor: Antje Jürgens
Genre: Vampir-Roman
Verlag: tredition GmbH 2010
ISBN: 978-3-86850-796-6
Buch: 288 Seiten, PB, 21x14,6x2cm

Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse… war er nicht gerade bei Etanas Söhnen mit Ende des zweiten Bandes abgeschlossen? Weit gefehlt… denn etwas hat überlebt!
Die vertraute Gemeinschaft der unter uns lebenden Vampire hat es schwer im Leben. Vielleicht gerade, weil sie so normal sind, sich doch eigentlich an die Menschen, also uns, angepasst haben und nur gelegentlich, um eben nicht von Kräften zu kommen, auch Blut als Nahrung benötigen?
Aber die Probleme sind doch gar nicht bei dieser uns so fremden Art der Ernährung zu suchen. Eher liegen sie darin, dass diese Etanaer Frauen suchen. Sie brauchen diese, um nicht allein zu leben, sich natürlich und doch etanaeisch fortzupflanzen und eben nicht laufend Fremde, Un-beteiligte um Blut zu bitten oder es ihnen mit Gewalt nehmen zu müssen.
Stellen wir uns die Situation vor: Da kommt ein Mann, sieht gut aus, spricht eine Frau an und am nächsten Morgen stellt sie fest, dass seine so lustig aussehenden spitzen Eckzähne keine Im-plantate, sondern echte, ausfahrbare und Reißzähnen ähnliche Beißer sind, mit denen eben dieses weibliche Wesen auch noch gebissen wurde. Komplikationen sind so vorprogrammiert.
Der Verdacht liegt nahe, dass für solch eine Geschichte die üblichen Klischees bedient werden müssen. Doch weit gefehlt. Jürgens schafft es, den Leser mitzunehmen in ihre Welt der Etanaer. Man sieht den kleinen Supermarkt gegenüber der Wohnung einer künftigen Etanaer-Gattin förm-lich vor sich, fiebert beim Überfall auf diesen mit und atmet erleichtert auf, dass sich nichts wirk-lich Schlimmes ereignet. Und eine lebensmüde wirkende junge Frau haben wir sicher alle schon gesehen. Bald kommt das Schmunzeln, gar das laute Lachen fast von allein, wenn man die ver-geblichen Versuche beim Selbstmord, den angeblichen Abschluss des Lebens und dann doch die dem so entgegenstehenden Auffassungen jenes Mädels liest. Sterben… ja. Aber vorher auf keinen Fall auch nur ein Zugeständnis an jenen Etanaer machen, der sie aus dem Wasser zog.
Das Titelbild, wie bei Antje Jürgens gewohnt mystisch und doch hell gestaltet, vermittelt die scheinbar auswegslose Situation, in der sich Mensch und Etanaer befinden. Da hilft es auch nicht, dass Jürgens Vampire doch eigentlich ein ewiges Leben haben. Denn was sollen sie damit an-fangen, wenn ihre Gefühle verletzt sind, sie sich nach Wärme, Nähe… oder auch Einsamkeit sehnen und genau dieses durch die Wirren des Lebens nicht bekommen können?
Die Autorin versteht es wiederum, uns, den Lesern, genügend Raum zur eigenen Interpretation vieler Stellen in ihrem Buch zu lassen. Und doch erscheint mir dann die in Gedanken gefundene Lösung so klar, als wenn Jürgens sie aufgeschrieben hätte. Das ist das Spiel des Literaten mit seinen Lesern. Ihn mitnehmen, ihn nachdenklich stimmen, ihn aufpeitschen und gleichzeitig in seine Schranken weisen. Jürgens versteht dieses Spiel vortrefflich!
Fast makaber mutet es an, dass das abgrundtief Böse mitten unter der geschundenen, alten und doch so einzigartigen Rasse lebt, von ihr gar gepflegt und gehegt wird. Kann es denn im Sinne der zu Beginn des Bandes zu Wort kommenden Götter sein, dass die Etanaer selbst alles dafür tun, ihre ärgste Feindin bald wieder am Leben zu wissen?
Aber schauen wir doch in unsere eigene Welt. Sehen wir in diesem beginnenden Frühjahr 2011 nach Japan und an andere Schauplätze, auf denen uns die Natur in unsere Schranken weist. Ist es denn nur eben jene Natur, für die wir nichts können, die eben tut, was sie will, die uns da zusetzt? Oder verschlimmert der Mensch eher mit seiner Existenz, seinem Raubbau an allem ringsum genau das, was diese Welt an für Mensch, Tier und Natur eh’ schon Gefährlichem aufweist?
Natürlich gibt Jürgens keine erschöpfende Antwort. Das wäre selbstredend zu früh, denn noch einige Bände der Geschichte rund um die Etanaer sollen folgen. Aber sie gibt Hinweise, die wir alle kennen, die wir aber nur zu gern immer wieder verdrängen.
Etanaer und ihre Gegner… Menschen und Menschen? Auch wir zeichnen uns alle, jeder für sich, durch unterschiedliche Fähigkeiten aus. Was wir daraus machen, darf nicht nur uns allein über-lassen sein. Dazu sind wir, wie eben Jürgens Etanaer, zu sehr Teil unserer Welt.
Die Geschichte bleibt spannend. Wie wird das alles enden? Was können wir noch lernen… über die Etanaer… und damit über uns? Hoffen wir, dass die Nobel-WG der gemäßigten Blutsauger weiterhin viele Überraschungen bereithält. Für mich ist diese Geschichte mehr, als nur ein spannender Bericht rund um Etanas Söhne.
Ein Buch zum Nachdenken? Ja, denn was wäre eine Geschichte ohne dies!
Ein Buch zum Weiterlesen? Natürlich, denn der Ausgang ist offener denn je!
Ein Buch zum Empfehlen? Uneingeschränkt. Schon, weil der Leser nach der Lektüre eine er-weiterte Sicht auf sich und sein Leben haben wird.

Weitere Informationen unter www.romane.antjejuergens.de.

© + ® der Rezension:
Stefan Jahnke, Dresden
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