Kazantzakis, Nikos - Alexis Sorbas

Kazantzakis, Nikos - Alexis Sorbas

Beitragvon Stefan Jahnke » 2. Sep 2012, 17:04

Rezension

Buchtitel: Alexis Sorbas
Autor: Nikos Kazantzakis
Genre: Roman
Verlag: Efstathiadis Group S.A. 1995, später Rowohlt
ISBN: 978-3-4991-0158-8
Buch: 352 Seiten, PB, 19 x 11,4 x 2,1 cm


Waren Sie schon einmal auf Kreta? Zumindest auf den größten Teil der Deutschen sollte dies nach den Statistiken der Reiseveranstalter zutreffen. Und sicher haben dann 70…80% der Reisenden auch eine Inselrundfahrt mitgemacht, sich über die Geschichte, die Antike und natürlich auch die Rebellionen gegen die Türken und andere Unterdrücker, die alten Griechen, die neuen Missstände, viele Steine, berühmte Personen informieren lassen.

Wie schätzen Sie die Kreter ein? Um einen kleinen Überblick zu erhalten, sollte man die touristischen Pfade verlassen und in die engen, manchmal stinkenden, stets aber mit Betttüchern und Blumen gefüllten Gassen ausweichen. Vielleicht entdecken Sie so den Sorbas?

Kazantzakis soll dieses Buch als autobiografisch beeinflusst beschrieben haben. Der in den Fünfzigern in Freiburg gestorbene Autor erlebte den Erfolg seines Buches als Film mit Anthony Quinn leider nicht mehr und wäre vielleicht auch nicht begeistert gewesen. Doch ist es nicht oft so? Das Buch scheint besser als der Film. Vielleicht regt jedoch der Film gerade zum Lesen des Buches an? Mag sein.

Zwei völlig gegensätzliche Charaktere prallen aufeinander. Ein reicher Mann, zumindest einer, der hofft, durch die geerbte Kohlemine auf Kreta reich zu werden und seine vom Buddhismus beeinflusste Lebenseinstellung endlich in Ruhe ausleben zu können, und ein Lebemann, der alles in der Welt sah, für alles eine Lösung sucht und meist auch findet, seine Freude im Tanzen sieht und Frauen vergöttert, aber auch zu lieben weiß. Wie den guten Wein und das Geld anderer Leute. Und genau das kann Kazantzakis gut beschreiben. Vielleicht vor dem Hintergrund dieses Buches und der heutigen Krise gerade in der Ägäis sollten die Politiker ihre Einstellungen noch einmal überdenken und sich an vielen kleinen Weisheiten dieses Alexis Sorbas ein Beispiel nehmen? Dann wäre eine Lösung wohl greifbar.

Das Cover zu beschreiben, hat bei diesem Buch wenig Sinn, denn es liegt in so vielen verschiedenen Auflagen und Ausgaben vor, mal mit gemalten, gezeichneten Bildern ohne viel Bezug zum Inhalt, dann wieder mit Filmszenen aus gleichnamigen Streifen oder auch schlicht in der Kazantzakis-Reihe der Neunziger der Efstahiadis Group. Immer ist es anders und doch passend zum Buch oder auch nichtssagend… schlicht, wie das Leben, spannend, wie der Inhalt.

Ein Schriftsteller will ein Bergwerk leiten. Dazu gehört Mut… und Unterstützung. Auch darf man sich nicht von Rückschlägen ins Boxhorn jagen lassen, weil Sorbas mal alles Geld, was eigentlich für Anschaffungen gedacht war, versoff oder mit Weibern durchbrachte. Auch dies ist eine Art, das Leben neu zu erlernen, die Wichtigkeiten zu erkennen und alles Unwichtige über Bord zu werfen. Eine Aussage, die der Autor in all seinen Büchern herüberbringen möchte, wegen der großen internationalen Beachtung aber vornehmlich mit dem Sorbas an die Öffentlichkeit bringen konnte.

Der Regisseur des Filmes hatte es sicher nicht schwer, den rechten Sorbas zu finden. Kazantzakis beschrieb ihn trefflich und all die kleinen Absonderlichkeiten im Text ließen sich schon wegen der Authentizität gut umsetzen, wenn eben auch nicht ganz.

Läuft man durch jene Orte und Gassen, über Straßen und Plätze, die Berge hinauf und hinab, an denen dieses Buch spielt, spürt man, wie es dort weiterlebt, wie der Autor die Gegend, diese aber auch ihn beeinflusste. Dies macht den besonderen Reiz fiktiver Stoffe mit leichter autobiografischer Beeinflussung und der Nähe zur Gegend aus und manchmal, nicht nur zum für die Touristen hergerichteten griechischen Abend meint man, Sorbas tanzen zu sehen. Losgelöst, offen, friedlich und vor allem mit sich und der Welt im Einklang. Genau das suchte Nikos, der Schriftsteller. Sein Freund und Vorarbeiter schenkte es ihm. Selbstlos. Ohne Gezeter nach Gewinnen, Renditen, Krediten.

Ein Buch, das begeistert? Der Sorbas regte Generationen an. Einmal an Kazantzakis Stil gewöhnt, wird man ihn verschlingen und zu begreifen suchen. Möge er ein wenig seiner Weisheiten auch an den Leser weitergeben.
Ein Buch, das nicht loslässt? Die Handlung ist hinreichend bekannt. Und doch will man sie bis zum Ende lesen. Das ist gut so, das wird Kazantzakis Werk gerecht.
Ein Buch, das neugierig auf eine Fortsetzung macht? Kreta, Griechenland, Kazantzakis. Das gehört zusammen und macht Lust auf mehr von alledem. Nur zu. Es gibt genug für jeden!
Ein Buch zum Weiterempfehlen? Wenn nicht dieses, welches dann? Schon die Story selbst ist einzigartig und der Schreibstil verzaubert, nimmt mit, zwingt zur Empfehlung.

Kreta ist eine Reise wert. Berge, Schluchten, Strände, Städte, Dörfer, Tiere, Menschen. Kazantzakis beschreibt all dies… und noch viel mehr.

Weitere Informationen im Internet unter http://www.historical-museum.gr/kazantzakis/index1.html.

© + ® der Rezension:
Stefan Jahnke, Dresden
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