Rocktäschel, Lutz - Die Stimmgabel

Rocktäschel, Lutz - Die Stimmgabel

Beitragvon Sandra » 30. Sep 2011, 14:41

»Die Stimmgabel – Berichte aus dem Wimpernschlag« ist der Debüt-Roman von Lutz Rocktäschel. Dieses 372 Seiten starke Buch erschien bereits 2008 im Pro BUSINESS Verlag.
Obwohl ich gern Science Fiction lese, ist mir dieses Buch erst jetzt in die Hände gefallen. Dabei verspricht der Klappentext schon mehr, als nur Außerirdische, die die Weltherrschaft übernehmen wollen. Nein, schon beim Lesen des Klappentextes wird klar, dass es sich hierbei nicht um eine „normale“ Sciencefiction Geschichte handelt. Vielmehr scheint es sich um einen Scienfiction- Thriller zu handeln.
Doch dazu später mehr.

Erst einmal zum „äußeren Gesamteindruck“ des Buches:

Trotz dass es sich hierbei um einen BOD- Verlag handelt, kann es dieses Buch mit seinem Anblick schon längst mit denen aus einem herkömmlichen Verlag aufnehmen. Die Seiten sind nicht nur dünnes Papier oder gar aus weißem Hochglanz, wie es oft für billige Bücher verwendet wird und was beim Lesen mit der Zeit auch in den Augen schmerzt.
Das Papier ist griffig, das Buch – im Taschenbuchformat – liegt gut in der Hand und das Cover ist etwas Besonderes. Hier spürt man bereits die Liebe, die in diesem Büchlein steckt. Abgebildet ist im Hintergrund das Universum, und im Großformat davor eine Stimmgabel. Schaut man sich im Impressum genauer um, findet man den Hinweis auf Tim Rocktäschel, der dieses Cover gestaltet hat. Ein großes Lob an den Künstler!

Nun aber zu der Geschichte:

Styx, ein Energiewesen aus dem Wimpernschlag der raumzeitlichen Unendlichkeit wird vom Hohen Rat hinab auf die Erde geschickt, wo er in Berlin – mitten in dem Wünschelrutengänger Christoph Aron landet. Seine Aufgabe besteht darin, die Menschen zu beobachten, da der Hohe Rat Disharmonien mit der Parallelwelt Erde befürchtet.
Doch mit so viel Einengung die es auf diesem Planeten gibt, hat Dr. Styx nicht gerechnet. Da gibt es nicht nur die gekapselten Wesen, sondern auch Stromleitungen, Plastikhüllen und vieles mehr, das er so nicht kennt und seine eigenen, lebenswichtigen Schwingungen bedroht.
Harmonische Resonanzen, die sind es, die Styx zum Überleben braucht. Doch sind die Menschen eher streitlustige Wesen.
So wechselt Styx immer mal wieder seinen „Wirt“, was für diesen nicht ganz ohne ist. Denn schließlich besteht er selbst aus reiner Energie und jeder Mensch reagiert anders darauf, wenn sprichwörtlich der Blitz in ihn einfährt. So fällt Christoph Aron zum Beispiel erst einmal in Ohnmacht.
Nach geraumer Zeit sucht sich Styx einen neuen Wirt und findet diesen in dem Computer eines Jugendlichen. Dieses „Wesen“ Computer scheint seiner wirklichen Natur von allem am nähesten zu kommen. Doch irgendwann versteht er, dass die Menschen viel komplexere und wunderbarere Wesen sind, als er sich vorgestellt hat.
Doch bis dahin liegt noch eine weite Reise vor ihm. Denn längst sind die Menschen nicht mehr so frei, wie wir es kennen. Alles und jeder wird überwacht, das Internet ist mit der Stromversorgung gekoppelt, um reichliche Daten über die Anwender zu sammeln. Privatsphäre gibt es nicht mehr.
Viele kluge Köpfe suchen nach einer alternativen Energiegewinnung, um diese Spielchen nicht länger mit ansehen zu müssen. Und Christoph Aron gehört eben zu diesen.
Styx erkennt die Gefahr, die von den Regierungen ausgeht und möchte mit aller Macht versuchen, Christoph Aron zu helfen. Doch dabei stiftet er manches Mal mehr Verwirrung, als Nutzen zu bringen.
Bis Styx sich wieder auf den Weg in seine Heimat machen kann, vergeht eine Menge Zeit und das Chaos hält sein Stell-dich-ein.

Die ersten zwei Seiten fielen mir etwas schwer, in die Geschichte reinzukommen. Nicht, weil sie nicht spannend wäre oder der Stil des Autors schlecht – Im Gegenteil! Lutz Rocktäschel schreibt auf eine besondere Art du Weise – nämlich philosophisch. Einmal darauf eingelassen, vergeht die Zeit, die man mit diesem Buch verbringen darf, wie ein Wimpernschlag.
Es werden einige technische und physikalische Details genannt, so dass das Buch vielleicht nicht ganz unbedingt für Sciencefiction- Anfänger geeignet ist. Doch jeder Technik-Freund wird daran seine helle Freude haben! (Wohlgemerkt: ich bin eine Frau und hatte sie trotzdem ;-) ) Viele Wortwitze lockern den Text zusätzlich auf, ohne ihn damit herabzustufen. Durch den wunderbaren Erzählstil von Lutz Rocktäschel wird die Geschichte auf amüsante Weise vorangetrieben, ohne dabei das Ziel zu verlieren.

Doch trotz der amüsanten Zwischenstücke verbleibt doch immer im Hinterkopf die Frage: Wann spielt diese Geschichte? Die Zukunft, von der Rocktäschel hier spricht, scheint nicht mehr weit entfernt. Im Gegenteil – einige von diesen Berichten könnten jetzt bereits Wahrheit sein. Was verheimlicht uns unsere Regierung? Wie viel davon ist schon geschehen?
Dieses Buch gibt gewaltige Denkanstöße, fordert zum Nachdenken auf, ohne aufdringlich zu wirken. Und jagt mit diesen Fragen dem Leser einen Schauer über den Rücken.
Vielleicht sollten wir alle endlich einmal mit offenen Augen durch die Welt gehen?
Denn ob zu uns ein Dr. Styx kommt, der uns letztendlich hilft, darauf mag man hoffen, aber nicht all seine Hoffnung da hinein legen.

Noch ein Wort zu den Figuren in diesem Buch:

Lutz Rocktäschel gelingt es meisterlich, die Figuren lebendig wirken zu lassen. Jede Gefühlsregung ist nachvollziehbar. Als Leser leidet und hofft man mit den Protagonisten mit. Man möchte Christoph Aron am liebsten in den Arm nehmen, als er das erste Mal von Styx „getroffen“ wird. Aber auch Styx ist solch ein wunderbares Wesen, das mich lange nicht losgelassen hat. Wie oft hätte ich dem Kerlchen gern ein aufmunterndes Wort zugeflüstert oder ihn getröstet, wenn mal wieder nichts nach seinen Vorstellungen funktionierte?
Ich mag diese Personen, mit denen uns Lutz Rocktäschel bekannt macht und hoffe auf ein baldiges Wiedersehen!

Fazit:

Lutz Rocktäschel gelingt es, mit »Die Stimmgabel- Berichte aus den Wimpernschlag« eine völlig (mir) neue Richtung der SF einzuschlagen und begeistert damit sehr.

Ich freue mich schon jetzt auf sein nächstes Buch "Vuvuzela - Die Stimme der Götter"!

Bitte weiter so, Herr Rocktäschel!
Liebe Grüße
Sandra
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Re: Rocktäschel, Lutz - Die Stimmgabel

Beitragvon Sandra » 30. Sep 2011, 14:42

Ich hab leider auf meinem Stick die von der Vuvuzela vergessen :cry: Die Rezi kommt beim nächsten Mal. Versprochen! :kuss2:
Liebe Grüße
Sandra
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