Staeger, Will - Public Enemy

Staeger, Will - Public Enemy

Beitragvon Stefan Jahnke » 7. Jan 2012, 22:14

Rezension

Buchtitel: Public Enemy
Autor: Will Staeger
Genre: Thriller
Verlag: Blanvalet / Random House, 1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-442-36704-7
Buch: 560 Seiten, PB, ca. 11,5x18,5x4cm

Zwei Fälle, die augenscheinlich erst einmal nichts miteinander zu tun haben. Der eine scheint sich allein mit dem Schmuggel von alten Kunstgegenständen zu beschäftigen, der andere mit einer Bedrohung der US-amerikanischen Bevölkerung mit Filoviren.

Wie zufällig wird eine Agentin zu ihrem ehemaligen Boss gerufen, der ihr die Leitung einer Sondereinheit allein wegen ihrer Praktikumsarbeit im Studium überträgt. Dass sie dabei alle Frei-heiten erhält und gar ihren ehemaligen Lover, der sich gerade mit ein paar Taschen voller angeb-licher Maya-Schätze herumschlägt und nicht versteht, dass gar der Regierungschef einer kleinen Amerika-treuen Inselrepublik darum sterben muss, mit ins Ermittlungsteam holen darf, geht ihr gar nicht in den Kopf.

Zu Beginn will man das Buch fast zur Seite legen. Zu verworren scheinen die ersten Seiten, zu sehr wird ein Lebemann und ehemaliger CIA-Agent dargestellt, der irgendwann nicht nur aus seinem Job, sondern scheinbar auch aus dem Leben ausstieg. Dann sind die typischen Klischees zu entdecken, die uns seit dem 11. September und dem Aufwachen Amerikas am Ground Zero laufend auf dem Bildschirm oder in vielen Büchern und Zeitungsmeldungen begegnen. Wurden nicht gar Kriege nur darum vom Zaume gebrochen, weil irgendwer annahm, dass eine Bombe im Flugzeug vielleicht auf internationalen Terrorismus und nicht nur auf die Wut eines gefeuerten Airlineangestellten zurückzuführen sei?

Wir sind dessen überdrüssig.

Und doch schafft es Will Staeger auf wundersame Weise, den Leser ganz anders zu fesseln. Denn plötzlich wird aus der Bedrohung eines Staates eine persönliche Angelegenheit, scheinen zwei Fälle gar nicht so weit entfernt angesiedelt zu sein, sondern eher einen einzigen Ursprung zu haben. Dazu kommt, dass die beiden Ermittler sich unvermittelt in einem Schlafsack wieder-finden. Dummerweise auch noch ohne vielleicht schützende Kleidung voneinander getrennt.

Der dem Cover zu entlockende Eindruck eines Thrillers irgendwo in Lateinamerika täuscht zu Anfang. Zwar sind wohl Parallelen zu alten Fällen des ehemaligen CIA-Mitarbeiters, der noch an einer Gefangenschaft in irgendeiner Bananenrepublik zu kauen hat. Aber eine ganze Weile geht es erst einmal in sogenannten zivilisierten Gebieten hoch und runter… manchmal im wahrsten Sinne des Wortes. Daher scheint das Cover vielleicht gar etwas irreführend.

Staeger bemüht sich, eine Sprache zu finden, die den Leser mitreißt. Schnell wird klar, dass Ex-CIA-Agent Cooper, der Hauptheld des Buches, sich eher als kaltschnäuziger und mit dem Leben abgeschlossen habender Macho präsentieren will. Und doch ist da irgendwo tief in ihm drin noch der einfache Mann, der einfach nur glücklich sein will.
Zu glatt kommen dabei manchmal die Aktionen herüber. Gangsterbosse, die versuchen, sich vor der ganzen Welt zu schützen. Werden mit simplen Manövern überrumpelt und gar zu abenteuer-lichen Trips gen Süden gebracht, wonach sie nur noch versuchen können, sich tot zu stellen. Die angebliche Liebe zwischen Laramie, seiner Ex-Geliebten, und ihm gestaltet sich eher wie in einer Schnulze. Nur eben, dass zwischendurch wieder einmal das Leben der beiden, eines südamerikanischen Präsidenten und gar der ganzen Welt auf dem Spiel steht.

Unglaubhaft kommen die einzelnen Szenarien herüber. Trotzdem fehlt dem gesamten Roman nicht die Spannung, den Leser bei Laune zu halten. Zum Schluss bleibt zwar die ernst zu nehmende Frage, ob all dies heute und im Durcheinander zwischen gewesenem Sozialismus, Cuba, einigen Entwicklungsländern und dem uneingeschränkten Denken der USA, sie hätte das Recht, alles zu tun und alles zu vertuschen, also die Lizenz zum Töten… wenn es gar die ganze Weltbevölkerung beträfe... doch möglich und wahr wäre. Zu oft musten wir als die Unbeteiligten und doch Betroffenen in den letzten Jahren erkennen, dass man uns bewusst ausnutzt, hinters Licht führt und dann wieder versucht, zu beschwichtigen.

Wenn Will Staeger dies mit ‚Public Enemy’ erreichen wollte, ist es ihm voll und ganz gelungen.

Ein Buch, das den Leser munter hält? Oh ja! Wenn auch auf eine ungesunde Weise.
Ein Buch, das man gelesen haben muss? Nein. Aber es schadet auch nichts, die Augen offen zu halten und über Staegers Zeilen nachzudenken.
Ein Buch, das nachdenklich stimmt? Oh weh… viele Dinge sind zu überdenken!
Ein Buch im guten Erzählstil? Spannend und überraschend. Manchmal etwas banal.

Ob die Welt am Abgrund steht, wissen wir nicht. Zu viele Geheimdienste verklären und tagtäg-lich den Blick auf die Wahrheit. Trotzdem kann auch in unserer Nachbarschaft ein Public Enemy, ein Staatsfeind leben, ohne dass wir es wissen oder ahnen. Jederzeit. Überall.

Weitere Informationen im Internet unter www.blanvalet.de.

© + ® der Rezension:
Stefan Jahnke, Dresden
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