Benötigen Leser und Autoren heute noch einen Verlag?

Benötigen Leser und Autoren heute noch einen Verlag?

Beitragvon Stefan Jahnke » 30. Mai 2013, 20:32

Hallo, liebe Gemeinde!

Verschiedene Diskussionen am Rande von Forengesprächen, Messen und Lesungen führen hin und wieder zu gleichen Fragen:

Brauchen wir in der heutigen Zeit noch einen Verlag?
Wozu ist ein Verlag da und was kann man davon selbst oder anders machen?
Gab es Verlage schon, seit es Bücher gab?
Wird es Verlage noch geben, wenn das eBook das gedruckte Buch weiter zurückdrängt?

Als interessante Anregung sehe ich folgendes Interview mit dem künftigen Hanser-Verleger Jo Lendle:
http://www.literaturcafe.de/kuenftiger- ... hr-noetig/

Alle Meinungen sind willkommen... auch die, die der Meinungsvertreter als... schwierig einstuft.

Viel Spaß. ich bin gespannt!

Viele Grüße aus Dresden
vom Stefan
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Re: Benötigen Leser und Autoren heute noch einen Verlag?

Beitragvon Sandra » 31. Mai 2013, 21:06

Ich glaube nicht, dass das E-Book das gedruckte Buch je verdrängen wird. Hoffe ich.

Und ja, ich denke schon, dass es weiterhin Verlage geben wird.

Ich als Autor profitiere von dem Verlag. Cover, Lektorat, Satz, Werbung ... Ales, wofür ich sonst selbst Zeit und Geld investieren müsste, wird mir dort abgenommen. Gut, dafür teile ich meinen Gewinn mit ihm. Aber steht das Buch danach in den Handlungen und es verkauft sich gut, bin ich dazu auch gern bereit. Das wäre etwas, was ich allein nicht schaffen würde.

Und aus Sicht des LEsers: Ja, ich brauche einen Verlag. Denn damit kann ich mich orientieren, dass ich nicht nur Mist kaufe.
Das soll nicht heißen, dass alles, was selbst publiziert ist Quatsch wäre. Im Gegenteil. Es gibt Ausnahmen und Einige finden sich zum Glück auch hier im Forum - nur leider ist das nicht die Masse.
Ich habe schon Bücher gekauft, in denen meine Nichte in der 4. Klasse bessere Aufsätze schreibt.
Und diesen "Augenkrebs" kann ich mit einem Verlag insofern umgehen, weil ich weiß, dort wid nicht nur ein Druckfehler am anderen gedruckt.
Zum Inhalt sage ich jetzt lieber nichts, weil es da auch in Verlagen absoluten Blödsinn gibt und man sich fragt, wie das nru jemand veröffentlichen konnte ...
Liebe Grüße
Sandra
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Re: Benötigen Leser und Autoren heute noch einen Verlag?

Beitragvon Lutz Rocktäschel » 2. Jun 2013, 17:31

Sandra wird recht haben, Verlage bieten dem Leser eine gewisse vermeintliche Sicherheit der fachmännischen Qualität, die natürlich auch BOD-Bücher anbieten können. Auch hier wieder möchte ich eher pragmatisch nach vorne schauen. Wer weiß, was unter dem Deckel "Verlag" sich momentan alles verändert. Leser und Autor nutzen das, was sich bietet. Der Autor wird schon beim Schreiben entlohnt, da ist sein Wunsch, die Bücher mögen an die Leser kommen, schon hoch gesteckt. Zum Geschäft wird das Buch erst durch den Verlag, der sich professionell um den Markt kümmern sollte. Dass bekannte Autoren mitunter auch wieder den Weg zurück zum Eigenverlag suchen, hat sicherlich mit dem Bekanntheitsgrad zu tun, auf dem man aufbauen kann.

:lutz: L.R.
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Re: Benötigen Leser und Autoren heute noch einen Verlag?

Beitragvon Stefan Jahnke » 3. Jun 2013, 10:19

Das wird interessant!

Irgendwo habe ich erst dieser Tage gelesen (oh Mann, ich finde den Link nicht - sorry), in dem irgendwer gegenüberstellte, dass viel mehr Autoren aus 'etablierten Verlagen' 'zurück' in den Selbstverlag gingen, als von dort Autoren zu den 'Etablierten' kamen.

Statistiken kann man immer so und so auslegen. Natürlich gibt es heute schon mehr Selbstverleger (mit sehr unterschiedlicher Qualität), als an die sogenannten 'richtigen Verlage' gebundene Autoren. Das hat neben der recht jungen Marktöffnung auch etwas mit über Jahrzehnte in Schulbaden verschwundenen, von Verlagen abgelehnten, vielleicht auch nie eingereichten Manuskripten zu tun. Gesicherte Verkaufszahlen Verlag <=> Selbstverlag, die sich direkt gegenüberstellen lassen, sind derzeit nicht zu bekommen, da Selbstverleger häufig mit in keiner Dienstleister- oder Druckereistatistik erscheinenden 'Kleinauflagen für den Selbstbedarf' arbeiten, also ohne Buchhandlungsanbindung direkt verkaufen. Ich wage auch nicht zu behaupten, dass es sehr viele Selbstverleger gibt, die gleichauf mit einzelnen Verkaufszahlen gut laufender Bücher der 'etablierten Verlage' stehen. In der Gesamtheit jedoch (obwohl gern aus eben auch Gründen fehlender Statistiken belächelt und negiert) kann der Verkauf aller Selbstverleger jetzt bzw. in naher Zukunft schon an die Zahlen der 'Etablierten' kommen.

Warum?

Hat es nur etwas mit der Qualität der eingereichten Texte, überlasteten Lektoren und unbeweglichen Verlagsstrukturen zu tun? Vielleicht wird der Mensch auch, wie in anderen Bereichen des Lebens, heute mündiger, als noch vor einigen Jahrzehnten, war zwar bisher von der Schönheit eines gemeinsam mit einem Lektor umgestalteten Textes begeistert, will heute vielleicht eher Unverändertes, das Typische in seiner Sprache, seinem Text, seiner Story erhalten, seine Gedanken von A bis Z umsetzen (und nicht nur bis F) und dies auch durchsetzen?

Heute kann jeder Autor dies, wenn er sich traut und den steinigen Weg des Selbstverlages geht.
Einiges wurde in unserer Zeit für Selbstverleger schon einfacher.
Jo Lendle meint, noch mehr wird sich verändern... auch im heutigen Selbstverlag.

Mit der Wende weg von der ehem. DDR mussten einige von uns gerade in Ostdeutschland lernen, dass man sich nicht mehr in seiner zurechtgemachten Niesche allein bewegen darf. Der anerkannte Sänger, Kunstmaler, Autor war plötzlich genauso gefragt in Sachen Selbstmarketing, wie der Maschinenbauer und Kohlekumpel. Jeder natürlich für seinen Bereich mit dem geforderten Einsatz, der dafür sinnvoll erschien. Reichte es vor der Wiedervereinigung, in seiner Bewerbung die Stationen des Lebens anzugeben, vielleicht gar noch die Berufe der Eltern zu benennen und um eine Anstellung auf Lebenszeit im entsprechenden Betrieb zu bitten, gehört heute ein Anschreiben dazu, in dem man sich selbst vermarktet, auf sich aufmerksam macht, um dann vielleicht doch die Probezeit nicht zu überstehen oder die Firmenpleite erleben zu müssen. Das hängt natürlich mit einer veränderten Wirtschaftslage, fehlenden Subventionen, dem Überangebot, einem Heer von Arbeitslosen und in vielen Bereichen wenigen zu besetzenden Stellen zusammen. Trotzdem änderten sich die Anforderungen an die Berufe, von der Näherin bis hin zum Manager, neben der eigentlichen fachlichen Kompetenz grundsätzlich (wobei ebenso viel neu zu erlernen war). Das färbt nicht nur auf ganz andere Bereiche ab, das ist dort noch weitaus mehr und deutlicher angekommen.

Man spricht von rd. 100.000 Buchmarkt-Neuerscheinungen allein in Deutschland je Jahr. Darin scheinen die selbstverlegten Titel nicht enthalten zu sein, denn die eben genannte Veröffentlichungszahl hält sich seit Jahren angeblich fast stabil auf hohem Niveau.
Die Leserschar wird nicht unbedingt größer.
Plötzlich kämpfen Verlage und Selbstverlage um die Gunst der Käufer.
Natürlich... Qualität wird sich durchsetzen. Der Online-Buchhandel wächst und damit auch der Einfluss der Selbstverleger auf den Markt, denn dort stehen die Bücher aller (Selbst-)Verleger (nur noch unterschieden durch Positionen auf eventuellen Bestsellerlisten) nebeneinander in den virtuellen Regalen.

Ich sage mal vorsichtig: Der Leser wird keinen Verlag brauchen. Irgendwer meinte dazu, der Kunde geht selten in den (Online-)Buchladen und will ein Buch von eben jenem Verlag kaufen. Ob jedoch der Autor einen Verlag benötigt? Solange der (Selbst-)Verleger noch VERLEGER genannt wird, löste man sich nicht gänzlich davon. Mal sehen, wie die Zukunft aussieht.

Viele Grüße aus Dresden
vom Stefan
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