Verlage, die von einem Geld wollen ...

Für alles, was mit dem Schreiben zu tun hat

Verlage, die von einem Geld wollen ...

Beitragvon Sandra » 12. Mär 2012, 13:43

... sind in den allermeisten Fällen nicht, eigentlich nie, seriös!

"Ausnahme" sind die sogenannten Dienstleister, wie BOD, Tredition, Epubli ect. Aber selbst bei ihnen muss man nicht für das Lektorat, Cover, Illustrationen, ..., bezahlen, sondern kann sich außerhalb dieser Unternehmen freiwillig jemanden suchen (z.B. einen befreudeten Grafiker, Autor ...). Und wenn man keinen findet, dann macht man es halt selbst. Okay, das ist nicht die eleganteste Variante und genau durch solche Autoren, dere Bücher vor Fehler nur so strotzen, haben diese Unternehmen so einen schlechten Ruf.

Was eigentlich schade ist - denn wenn z.B. Oma ihre Lebensgeschichte aufschreiben möchte und an ihre Kinder, Enkel und Freunde weitergeben möchte, ist diese Maßnahme des Druckens doch ein toller Weg.

Auch gewisse Themen, die nur in Nischen passen lassen sich gut über BOD veröffentlichen. Sei es ein Buch über Eisenherstellung um die Jahrhundertwende oder ein Band mit selbstgeschriebenen Gedichten.

Auch "richtige" Autoren lassen sich bei jenen Dienstleistern finden - es sind die, die einfach die Nase voll haben von Verlagen, auf deren Antworten man zum Teil Jahre warten muss und die für sich selbst den optimalen Weg gefunden haben, ihre Bücher an den Leser zu bringen. Denn Unterstützung im Werbebereich gibt es bei den Dienstleistern nicht - zumindest nicht so, wie es bei den (großen) Publikumsverlagen üblich ist.

Es gibt noch eine vierte Gruppe, die die Angebote dieser Dienstleister nutzt: Voreilige Neuautoren, die ihr Buch unbedingt veröffentlich sehen wollen - mag kommen, was wolle. Jene, die nicht mit einem Lektorat zusammen arbeiten wollen und oftmals "Beratungsressistent" sind. D.h.: Sie sehen ihr Buch als perfekt an, auch wenn es nur so von Logik- und RS-Fehlern so wimmelt und keine Ratschläge annehmen.
Sie sind es, die nach der Veröffentlichung am lautesten schreien, wenn sie eine negative Rezension bekommen, sich einkapseln und nach dem Motto leben: "Ihr seid doch alle doof!"

Warum schreibe ich hier Dienstleister und nicht Verlage?
BOD, lulu ect. sind keine Verlage, sondern eher mit Druckereien zu vergleichen. Denn sie übernehmen unterm Strich nur das, was eine Druckerei macht: Die Bücher drucken. Alles andere ist Autorenarbeit - von der Fertigstellung des Manuskriptes, über Grafiken, über das Layout ...


Dann gibt es noch die sogenannten DKZVs. (Druck-Kosten-Zuschuss-Verlage)
Sie sind die schwarzen Schafe der Branche und haben den Namen "Verlag" nicht verdient. Leider ist dieser Begriff nicht geschützt, sodass sich jeder so nennen darf.

Was sind die Merkmale dieser DKZVs?

- Nach dem Einschicken eines MS dauert es meist nur wenige Tage, bis man ein Antwortschreiben erhält. Und dieses hat es in sich. Es wird von einem tollen Stil gesprochen, über Protagonisten, die lebensecht wirken usw. All jenes, was wie Honig klingt, wird dem Autor um den Mund geschmiert. Da geht einem doch das Herz auf, nicht wahr?

- Doch dann liest man weiter.
Während manche Verlage hunderte bis tausende Euros verlangen, weil sie sich gerade beim letzten Buch übernommen haben und nun den den Autor um Geld bitte, damit sein "tolles" Werk realisiert werden kann, verlangen die nächsten eine Mindestabnahme der Bücher. eist sind das um die 100 bis 1000 Stück und rechnet man sich dieses aus - schwupp, ist man wieder bei mehreren hunderten von Euros.

Die nächsten lassen sich die Cover bezahlen - von dem Geld kommt in den meisten Fällen nur ein Prozentsatz bei den Künstlern an. Selbt wenn man sein eigenes schon erstellt hat, wird es jemanden im Verlag geben, der meint, es würde so nicht ganz zum Verlagsbild passen und man müsste es nachbearbeiten. Man würde aber auch die schon vorhandenen Grafiken benutzen und es nur noch anpassen. Und wieder sind 50-100€ wg - dafür, dass vielleicht nur die Schrift ein wenig versetzt wird.

Nach dem Cover kommen die Innenillustrationen. Die bräuchte man unbedingt, damit das Buch aufgelockert wird, sich von der Masse abhebt ect.
Im Endeffekt läuft es, wie im letzten Punkt angesprochen, hinaus.

Neben diesen Punkten gibt es noch die Möglichkeit, das Lektorat zu bezahlen.
Hierfür verspricht der Verlag, dass Buch zu verlegen, aber es müsse doch noch einmal durch eine Korrektur, da es so nicht druckreif ist.
Diese Korrektur besteht daraus, dass man einmal den aktuellen Duden "drüberlaufen" lässt, diese Fehler abändert und manchmal sogar neue einbaut - weil der Text nicht im Zusammenhang gelesen wird.
Hierzu sollte man noch unbedingt erwähnen, dass der neue Duden (auf CD-Rom) bei Amazon nicht mal 30€ kostet. Und für dieses Prüfung soll man dann im Verlag hunderte Euros bezahlen?


Egal wie man es bei den DKZVs dreht und wendet: es ist Betrug!
Denn: Verlegen kommt von Vorlegen.
Das bedeutet so viel, der Verlag übernimmt die Kosten, weil er an seinen Autor und das Buch glaubt. Bei manchen Verlagen gibt es schon ein Vorab-Honorrar, doch das ist bei den kleineren Verlagen eher selten. Häufig dagegen ist, dass man am Verkauf der Bücher beteiligt wird. Normal sind hierbei zwischen 5 und 10% (wobei die 5% eher für "Neulinge" gelten).
Doch in absolut gar keinem Fall sollte man auch nur einen Cent bezahlen!

Unterm Strich ist es so:
Wenn der Autor bereits für die Herstellung seines Buches bezahlt, weshalb sollte der Verlag dann auch noch Werbung für das Buch machen? Oder es gar wirklich drucken lassen? Oft wird gesagt, man druckt eine Auflage von 1000 Stück und lagert sie dann in seinem Büro.
In der heutigen Zeit, wo Lagerflächen Geld kosten und der Mausklick zum Drucken nicht weit weg ist - Warum sollte dies ein Verlag tun? Er wird Exemplare drucken. Nämlich die, die der Autor bestellt und vielleicht fünf Stück, damit er "zeigen" kann, dass er die Bücher vorrätig hat. Ansonsten wird nicht viel mehr passieren.
Bezahlt der Autor auch nur 500€ für die Herstellung seines Buches, so hat der Verlag schon mehr Gewinn damit gemacht, als er sich von den Verkäufen erhoffen darf.


Noch ein Schlusswort:
Hat der Autor bei einem DKZV seinen Namen "verbrannt", dürfte es für ihn sehr schwierig werden, später noch einmal in einen "richtigen" Verlag zu kommen. Denn die DKZVs sind mit Schmutz behaftet und der Leser merkt sich die Namen der Autoren. Hat er einst ein schlecht verlegtes Buch von Autor XY gekauft, so wird er nicht mehr zu dem nächsten greifen - selbst wenn es bei Heyne, Bastei o.ä. erschienen ist.

Die Verlage wollen einen Namen mit ihrem Autor aufbauen - ähnlich wie bei einem Markennamen.
Und wer würde heute schon noch Cola trinken, wenn dort vor fünf Jahren Abwaschwasser abgefüllt worden wäre?


Hier noch einige interessante Links, die man sich zu diesem Thema unbedingt durchgelesen haben sollte:

Ein "Test" bei Bezahl-Verlagen durch die Gruppe "42er Autoren". Sehr informativ!
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/ ... 79,00.html

Hier einige Musterverträge von Verdi, an die sich die meisten - seriösen! - Verlage halten. Kleine Abweichungen können enthalten sein. Aber niemals, niemals darf ein Autor etwas für seine VÖ bezahlen!
http://vs.verdi.de/urheberrecht/mustervertraege


(C) Sandra Rehschuh
Liebe Grüße
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Re: Verlage, die von einem Geld wollen ...

Beitragvon Stefan Jahnke » 12. Mär 2012, 20:01

Besser kann ich es auch nicht sagen, Sandra.
Vielen Dank für die Zusammenstellung.

Liebe Grüße aus Striesen
Stefan
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