Warum es kein geistiges Eigentum gibt

Re: Warum es kein geistiges Eigentum gibt

Beitragvon Lutz Rocktäschel » 4. Apr 2012, 20:35

Auf Wikipedia findet man das Urheberrecht als "das subjektive und absolute Recht auf Schutz geistigen Eigentums in ideeller und materieller Hinsicht". Daher vielleicht auch die gefühlte Widersprüchlichkeit bei dem besagten Artikel. Ich kann jedenfalls nachvollziehen, warum man das Urheberrecht neu fassen will und was damit vermieden werden soll: Das Internet reglementieren, Spekulation auf zukünftige Gewinne als Preistreiber für einfach zu habende Kulturgüter, Versanden des schöpferischen Austausches, Verrechtlichung der Beziehungen der Internetteilnehmer als Spielwiese der Abmahnvereine usw.

Hier noch zwei abseitige Einwürfe zum Thema:

Aus einer ganz anderen Ecke erscheint mir die Unterscheidung von Urheberrecht und Eigentumsrecht sehr sinnvoll. Urheber des menschlichen Genoms oder auch anderen Erbgutes ist die Natur. Firmen, die gewisse Verfahren entwickelten, um diese zu erkennen oder gar zu nutzen, haben nur ein Recht auf die angewandten Verfahren und nicht auf das entsprechende Erbgut, selbst dann, wenn sie es verändern. Hier wird versucht, etwas zu einem Eigentum zu machen, was eigentlich höchstens ein Nutzungsrecht sein kann. Denkt doch nur mal daran, was die Saatgutmafia in der Welt anstellt.
Es ist doch bemerkbar, wie die veränderten Rahmenbedingungen alte Fragen neu aufwerfen.

Die Stadt Leipzig, so konnte ich vor kurzem in der Berliner Morgenpost lesen, hat den Wenderuf "Wir sind das Volk" tatsächlich als Marke schützen lassen. Übrigens aus politischen Gründen gegen den rechtsextremen Missbrauch dieser Losung. Das hehre Ziel in Ehren; ich weiß nicht ob ich lachen oder heulen soll.

Ich möchte auch meine geistige Arbeit geschützt sehen. Deshalb habe ich meine Bücher noch nicht als E-Books herausgegeben. Es hat aber keinen Sinn noch lange zu warten. Da gehe ich doch das Risiko lieber ein. Das Problem des geistigen Diebstahls beginnt doch erst da, wo plötzlich viel Geld verdient wird ;).

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Re: Warum es kein geistiges Eigentum gibt

Beitragvon Elfe » 5. Apr 2012, 09:54

Bin heute auf einen wundervollen Film zu diesem Thema gestoßen:

http://www.videogold.de/artesanos-ein-f ... itel-2012/

Er gibt uns hier eine ganz neue Sichtweise des "Urheberrechts" oder "geistigem Eigentum" ... Sehr beeindruckend finde ich und sehr sehenswert! Auch wenn es nicht nur um "geistiges Eigentum" geht, sondern auch noch um viel tiefgreifendere Themen ... ;)

Quelle: Amazon Rezension
Ganz liebe Grüße
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Re: Warum es kein geistiges Eigentum gibt

Beitragvon Lutz Rocktäschel » 5. Apr 2012, 15:41

Hallo Elfe,

wirklich ein sehr schöner und sehenswerter Film. Danke für den Tipp. Der Film erinnert mich sehr an meine Situation, als ich mein erstes Buch schrieb (Die Stimmgabel. Berichte aus dem Wimpernschlag). Ich sehe es auch so, dass jedem Menschen eine trenszendente Sehnsucht innewohnt, die er oder sie aus sich herauslassen sollte, um Schönes und Wertvolles zu schaffen oder einfach nur Spaß an sich und mit Anderen zu haben. Der Zustand der Erde wird uns zwingen, neue Wege zu gehen, oder wir werden einfach nur aus der Welt ausgestoßen, nach dem Prinzip: "Die Erde braucht uns nicht, aber wir, wir brauchen sie." Wer das gesagt hat, kann ich nicht angeben, von mir ist es leider nicht :D. Reicht das als Urheberhinweis? 8-)

Die Sache mit dem Urheberrecht schien mir etwas verschwommen: Einerseits Kunstwerk ganz ohne Signatur, andererseits am Ende "© Alle Rechte vorbehalten" - oder habe ich da etwas missverstanden?

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Re: Warum es kein geistiges Eigentum gibt

Beitragvon Elfe » 5. Apr 2012, 16:31

*Grins* genau das hab ich mir beim Abspann auch gedacht ...

Ich fand den alten Mann klasse, wie er meinte, dass ein Kunstwerk nur so lange dem Künstler ganz alleine gehört, bis es perfekt ist. Wenn es dann perfekt ist, dann will er den rest der Welt daran teilhaben lassen. Fand ich zum Nachdenken sehr anregend ...

Der hat auch immer so nett gelacht - war mir richtig sympathisch ... :D
Ganz liebe Grüße
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Re: Warum es kein geistiges Eigentum gibt

Beitragvon Stefan Jahnke » 5. Apr 2012, 21:32

Vor Jahren, es war noch tiefe DDR und ich kam gerade aus Moritzburg, wo ein Individualist damals einen kleinen Privatzoo gründete und viele Kämpfe zu kämpfen hatte... mit den Behörden... da prägte ich nach meiner ersten Begegnung mit einem echten Nasenbären den lustigen, einen Menschen bezeichnenden Begriff des Nasenbären und wandte ihn immer wieder an, wenn mir einer zu schnüfflig, zu eingebildet, zu träge, eben einfach nicht ganz dem Durchschnitt entsprecheund vorkam. Weniger als Schimpfwort, eher als eine Typbezeichnung.
Sicher war ich nicht der Erste mit dieser Idee.
Hätte ich sie mir doch schützen lassen sollen?
Inzwischen höre ich den Begriff in ähnlicher Anwendung von überall her und wende ihn weiterhin an.
Ich finde es einfach lustig, wenn ich einen Kunden aus Kärnten vom Airport abhole und er mir von einem Nasenbären von Steward erzählt, der ihm doch wirklich auf seinen Witz hin zum Orangensaft Pfeffer und Salz gab... weil er sich benachteiligt fühlte ggü. den Tomatensafttrinkern um ihn herum.
Ist damit mein gesitiges Eigentum gestohlen worden? Hmm... schwierige Frage!

Und unser Theo, der vom guten Berg... darf jetzt niemand jemals wieder behaupten, er hätte seine Dokrorarbeit nicht abgeschrieben? Tja, wer will es sagen?

Oder der, der den Witz erfand, dass alle in Österreich, die keinen Titel vorzuweisen haben, eben 'Herr Doktor' genannt werden... bekommt der für jede Anwendung des Witzes eine Marge? Tantiemen? Sonstige Zahlungen? Wohl kaum! Vielleicht bekam inzwischen gar Hinz und Kunz vom TIP-Journal des Kauflandes 20 EUR, weil er den geklauten Witz einsandte und die ihn für ihre Kunden abdruckten?

Geistiges Eigentum... und Urheberrecht... sind schon in meinem Kopf verwaschen... und doch getrennt. Trotzdem trage ich an meinem Rucksack einen Anstecker mit den Worten 'Ja zum Urheberrecht', denn wir brauchen es. Das geistige Eigentum... sollte dabei ganz anders definiert werden. Urheber bleiben wir Autoren immer. Ob wir wirklich auf Eigentum an unseren Worten klagen könnten... überhaupt wollten und dürften... das sei dahingestellt. Aber Urheber unserer Geschichte, also der, die wir aufgeschrieben haben, sind nun einmal wir Autoren. Dabei habe ich nichts dagegen, wenn sie einer kopiert... wenn er mich als seinen Ideengeber benennt. Was meint Ihr denn, wie plötzlich Lutz Telefon klingelt, wenn Dan Brown in seinem neuen Buch 'Fork Votes' (Gabelstimmen) schreibt, er wurde von einem Herrn Rocktäschel aus Berlin inspiriert?

Den Film konnte ich heute auf Arbeit nicht sehen und lade ihn mir gerade herunter. Der Anfang war spannend, interessant, ungewöhnlich... eben einfach mal anders... mal sehen. Ich bin gespannt! Danke, liebe Elfe Sigrun, für Deinen Link

In diesem Sinne...
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Re: Warum es kein geistiges Eigentum gibt

Beitragvon Lutz Rocktäschel » 6. Apr 2012, 09:21

Oha, Stefan, da muss ich ja vorsorglich schon mal neue Bücher ordern, damit mich die Welle nicht überrollt :D. Ist die Übersetzung von "Fork Votes" so richtig ("Gabelstimmen" oder nicht doch "Stimmgabeln")? Da müsste ich ja mal überlegen, ob ich nicht einen Rechtsstreit über die Namensrechte vom Zaune breche;) - siehste, so geht das in dieser Welt .cow1..

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Re: Warum es kein geistiges Eigentum gibt

Beitragvon Lutz Rocktäschel » 6. Apr 2012, 10:20

Der Film hat eine Stelle, die mich etwas betroffen macht. So im ersten Drittel kommt kurz eingeblendet die Aussage, dass man auf diesem Wege eigentlich auch kein Parlament benötigen würde. Das trifft sicherlich auf den Akt des individuellen Schöpfertums zu, in Bezug auf das Zusammenleben von Menschen ist es sehr naiv. Mir ist ein öffentlich ausgetragener gewaltloser (politischer) Streit lieber, als das Wetzen der Messer im Verborgenen. Utopien ohne Demokratie hatten wir schon - funktionieren nicht.

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Re: Warum es kein geistiges Eigentum gibt

Beitragvon Elfe » 6. Apr 2012, 12:29

Wenn ich es noch richtig in Erinnerung habe, dann hieß es da auch, dass man allerdings jemanden braucht, der führen kann, denn einer muss doch wissen wo es lang geht - also ganz ohne geht es dann wohl doch nicht ... :?
Ganz liebe Grüße
Sigrun


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Re: Warum es kein geistiges Eigentum gibt

Beitragvon Sandra » 7. Apr 2012, 12:19

Ich werde mir die kommenden Tage das Video mal anschauen. Bitte entschuldigt, dass ich momentan so wenig on bin - die Familie ruft ;) Kommende Woche diskutiere ich wieder mit :D
Liebe Grüße
Sandra
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Re: Warum es kein geistiges Eigentum gibt

Beitragvon Elfe » 7. Apr 2012, 12:29

Alle schreien und Sandra muss springen ... Pass auf dich auf!
Ganz liebe Grüße
Sigrun


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