Franz, Andreas - Die Bankerin

Franz, Andreas - Die Bankerin

Beitragvon Stefan Jahnke » 2. Sep 2012, 17:44

Rezension

Buchtitel: Die Bankerin
Autor: Andreas Franz
Genre: Kriminalroman
Verlag: Droemer Knaur, 1. Auflage 1999
ISBN: 978-3-4266-1264-4
Buch: 416 Seiten, PB, 18 x 11,6 x 4,2 cm


Eine Großstadtsilhouette ziert das Cover dieser Ausgabe des im Frühjahr 2011 plötzlich verstorbenen Schriftstellers. Ob er es mit seinen Kriminalromanen, die zweifelsfrei gut recherchiert, aber aus was für Gründen auch immer nicht unbedingt glaubhaft geschrieben wirken, wirklich zu Reichtum brachte, ist nicht offiziell bekannt. Vielleicht blieb viel vom Gewinn im Verlag, möglichen Agenturen, bei Lektoren und Korrektoren hängen. Wobei letztere zwei Gruppen nicht zu häufig und zu intensiv in Franz’ Büchern zu Gange gewesen sein können.

Im Buch geht es um den plötzlichen Absturz eines Reichen. Wie er zum Reichtum kam? Lesen sie es nach. Wie er ihn wieder verlor? Das ist schon der Fall. Denn jene Bankerin ist daran nicht ganz unschuldig, hat jedoch nachvollziehbare Gründe, die dabei in der gesamten Geschichte so unglaubhaft dargestellt werden, dass man sie schon wieder glauben kann.

Franz meint selbst auf seiner immer noch vorhandenen Webseite, es gäbe einen ähnlichen Fall in Deutschland. Ob der wirklich so oder nur leicht ähnlich stattfand, auch geklärt werden konnte und zum Schluss wirklich abgeschlossen werden konnte… bleibt vorerst verschwiegen.

Die Zusammenhänge im Buch sind nicht wirklich nachvollziehbar.

Der anfangs beschriebene reiche Unternehmer verdiente sein Geld als IT-Fachmann, der aufgrund seines Wissens ein Unternehmen aus dem Boden stampfen konnte, weltweit Erfolg hatte und schließlich im Strudel böser Mächte, die ganz in seiner Nähe ihr Unwesen trieben, unterging. Dass er nun gerade in einer Poststelle den einzig noch verfügbaren Job für ihn fand, ist auch heute in Zeiten mitten in oder nach der geplatzten Neue-Medien-Blase mehr als unglaubhaft. Zumal über all jene Jahre Software- und Hardwarespezialisten aus allen Teilen der Welt in die hoch technisierten Länder geholt wurden. Denke man nur an die Greencard-Initiativen Deutschlands bei der Anwerbung von entsprechenden Spezialisten in Indien und dem restlichen asiatischen Sprachraum.

Natürlich kommt auch bei diesem Kriminalroman vieles zusammen.

David von Marquardt versucht, auszusteigen. Doch auch dies misslingt, denn die junge Frau, die nicht nur seine Nichte ist, sondern die er zu seiner Geliebten macht, verstirbt bei einem Badeunfall fern der Heimat. Dass all dies von nur einer Person gemanagt wurde oder aber der Zufall eben dieser Person in die Hände oder eher in die eigenen Pläne spielte, ist und bleibt unglaubhaft. Natürlich darf man nicht annehmen, dass das Leben immer logisch bleibt. Jedoch zu unlogisch ist es eben auch nicht und der Leser mag keine Veralberung.

Eine Hand wäscht die andere. Will man sich von privaten Schulden befreien, kann man in Deutschland in eine private Insolvenz gehen, sich also verpflichten, einige Jahre nach bestimmten Regeln zu leben und zu versuchen, während dieser Zeit einiges der Schulden zurückzuzahlen. Danach wird einem der Rest erlassen. Diese Möglichkeit besteht auch in anderen zivilisierten Ländern. Nicht unbedingt gut für die Wirtschaft, jedoch für den Menschen und seine Zukunft.

Das, was der Hauptheld des Buches auf sich nimmt, ist daher weitaus undurchschaubarer und unglaubhafter, als wenn es ein möglicher Gegner gleich in die Hand genommen hätte, den Verarmten umzubringen. Dann gäbe es zumindest einen richtigen Mordfall.

Ein Buch, das begeistert? Dazu müsste die Geschichte glaubhafter gestaltet sein.
Ein Buch, das nicht loslässt? Nein, denn die Begeisterung hält sich in Grenzen. Der Rezensent empfiehlt, dieses Buch als ‚Zweitbuch’ zwischen einem wirklich guten Stoff zu lesen.
Ein Buch, das neugierig auf eine Fortsetzung macht? Ebenfalls nein, denn die Geschichte ist so schon lang genug, langweilig und vorhersehbar, jedoch auch zu unglaubhaft, um noch mehr davon zu ertragen. Der Autor tat sich mit dieser Geschichte nichts wirklich Gutes.
Ein Buch zum Weiterempfehlen? Nein. Es sei denn, man will jemanden ärgern.

Ein gefallener Reicher, ein Racheengel, der kein Ende bei seinen Bestrafungen findet, ein Umfeld, das unwirklicher nicht sein kann… das bedingt leider ein nicht zu empfehlendes Buch.

Weitere Informationen im Internet unter http://www.andreas-franz.org und http://www.kraur.de.

© + ® der Rezension:
Stefan Jahnke, Dresden
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