Franz, Andreas - Teuflische Versprechen

Franz, Andreas - Teuflische Versprechen

Beitragvon Stefan Jahnke » 2. Sep 2012, 20:02

Rezension

Buchtitel: Teuflische Versprechen
Autor: Andreas Franz
Genre: Kriminalroman
Verlag: Droemer Knaur, 1. Auflage 2005
ISBN: 978-3-4266-2831-7
Buch: 576 Seiten, PB, 18 x 11,2 x 3,4 cm


Wie stellt man sich allgemein Stundenhotels, billige Absteigen, das Rotlichtmilieu vor?
Das Cover des Kriminalromans ‚Teuflische Versprechen’ von Andreas Franz gibt eine nicht erschöpfende, aber doch bestätigende Antwort. Zumindest in der hier rezensierten Ausgabe. Natürlich weigert sich der Leser sicher, Ähnliches schon einmal gesehen zu haben, doch im Allgemeinen sind bei Frau oder Mann schon gewisse Erfahrungen vorhanden… und auch wenn nur aufgrund erster Recherchen ohne Vollzug in bestimmten Lebensabschnitten.

Andreas Franz, der 2011 für die Lesergemeinde plötzlich und unerwartet verstarb, schuf einige deutlich gezeichnete Personen der Ermittlerszene und schaute sicher vielen Polizisten, aber auch Tätern oder Zeugen sprichwörtlich ‚aufs Maul’, um auch diesen Krimi zu schreiben.

Das organisierte Verbrechen beherrscht längst viel größere Bereiche unseres ach so alltäglichen und sicher eingefahrenen Lebens. Immer wieder lesen wir von Schutzgelderpressungen und tätlichen Übergriffen, dem sogenannten ‚Babystrich’ und bereits weit vor der Volljährigkeit aus-gestiegenen Jugendlichen, die dann an irgendeinem Großstadtbahnhof versuchen, ihr Leben zumindest vorerst zu meistern.

Was geschieht jedoch, wenn es eben nicht das eigene Wollen ist, das dies bestimmt, sondern ein falsches Versprechen? Gleich fallen jedem sicher viele Beispiele ein. Manch Produkt versprach beim Kauf weitaus mehr, als es dann wirklich bot, aus einem vermeintlichen Freund wurde ein Widersacher und ein anfangs netter Mitarbeiter oder Chef zeigte später sein wahres Gesicht.

Franz versteht es, eine Menge von Fällen, verschiedene Verbrechen und darin verwickelte Menschen zu einer Geschichte zu fügen, die spannender nicht sein könnte. In diesem Krimi überwiegt für mich zum ersten Mal das wirkliche Geschehen, fehlen die ellenlangen Berichte, in denen seine Kommissarin Durant sich Zigaretten anzündet, Bäder einlässt, Bierdosen öffnet. Vielleicht auch darum, weil die Öffentlichkeit mehr und mehr darauf getrimmt wird, das öffentliche Rauchen zu unterlassen und man heute Bierdosen wirklich fast vergeblich im Verkauf sucht? Nein, die franzüblichen Klischees sind immer noch vorhanden, doch sie verschwinden hinter der Fülle von anderem Geschehen. Das tut diesem Krimi gut.

International kennen wir heute aus der Presse das organisierte Verbrechen. Verzweigungen soll es bis in höchste Polizei-, Staatsanwaltschafts-, Richter- und Politik-Ebenen geben, längst sind nicht nur Wirtschaft und Justiz, sondern alle Apparate der sogenannten Demokratie damit unterwandert, davon betroffen.

Länder, die noch vor Jahren hinter dem ‚Eisernen Vorhang’ lagen, liefern heute ebenso Mädchen für illegale Bordelle, wie Kunden für Waffen und Gründe für eine florierende Geldwäsche.

Durant geht einige Wagnisse ein, um den Fall zu lösen. Wie so oft überschreitet sie auch hier wieder einmal alle möglichen Grenzen und Regularien, ohne überhaupt zu wissen, ob sie zum Schluss Erfolg haben wird, oder ins Visier eben jeder Verbrecher gerät.

Vielleicht ist das Ende, auf welches der Rezensent nicht mit Handlungsstoff eingehen wird, etwas einfach gewählt. Kann diese Welt wirklich noch einen hin und wieder guten Ausgang bieten? Doch auch hier bietet sich die Gestalt der Hauptkommissarin, besser noch der Aufbau ihres Lebens durch Franz an. Denn ihr Vater ist ein pensionierter Pfarrer, soweit es in diesem ‚Beruf’ wirklich eine Pensionierung geben kann. Natürlich wird dieser Mann ebenso eingespannt, wie andere Handelnde den Wahnsinn begehen, die Durant zu unterstützen, anstelle das Weite und damit das Leben zu suchen.

Ein Buch, das begeistert? Glaubhaft ist die Geschichte auf jeden Fall. Leider. Darum schon fesselt und begeistert sie, macht Hoffnung und zeigt doch so viele Abgründe auf.
Ein Buch, das nicht loslässt? Franz’ Schreibstil wächst mit seinen Fällen. Daher legt man diese Geschichte ungern nicht zu Ende gelesen zur Seite.
Ein Buch, das neugierig auf eine Fortsetzung macht? Fortsetzung ist hier sicher das falsche Wort. Der Fall wird abgeschlossen. Das Übel ist jedoch nicht aus der Welt. Auch dabei blieb Franz Realist. Ob das nun gut ist? Jedenfalls wäre eine gute Fortsetzung, von wem auch immer, sicherlich problemlos möglich.
Ein Buch zum Weiterempfehlen? Dies kann ich bejahen.

Selbst wenn der normale Mensch ein paar Stunden am Tag oder eher in der Nacht benötigt, um Kraft zu tanken für den nächsten Tag, so schläft das Verbrechen nie. Eher weitet es sich aus. Längst sind es nicht mehr nur die Italiener, deren Mafia einst die Welt in Atem hielt. Heute kommen so viele andere organisierte Kriminelle hinzu. Russen, Jugoslawen, Chinesen… um nur einige zu nennen. Und, nicht zu vergessen… auch Deutsche!

Weitere Informationen im Internet unter http://www.andreas-franz.org und http://www.kraur.de.

© + ® der Rezension:
Stefan Jahnke, Dresden
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