Franz, Andreas - Tod eines Lehrers

Franz, Andreas - Tod eines Lehrers

Beitragvon Stefan Jahnke » 1. Okt 2012, 18:25

Rezension

Buchtitel: Tod eines Lehrers
Autor: Andreas Franz
Genre: Kriminalroman
Verlag: Lizenzausgabe Verlagsgruppe Weltbild, 2011 - nach der Originalausgabe Knaur TB von 2004
ISBN: 978-3-8289-9002-9
Buch: 368 Seiten, PB, 12,5 x 18,5 x 2,5 cm


Kriminalgeschichten beginnen meist hart, mit einem Mord, der anzeigt, wie es wohl während der Aufklärung weitergehen wird. Andreas Franz macht dabei keine Ausnahme. Der Leser glaubt an das Gute im Menschen, denkt vielleicht an den Lieblingslehrer aus seiner Schulzeit und wundert sich, warum ein Polizist, wie der bekannte Kommissar Peter Brandt die vielen Hinweise auf ein makelloses Leben des ermordeten Lehrers in Abrede stellen kann. Natürlich steckt manchmal hinter zu viel Lob eine dunkle Seite. Aber an einem bisher stets hervorragende Ergebnisse und Erfolge erzielenden Gymnasium, mit einer so langen Tradition und gar ehemaligen Schülerinnen, die dort inzwischen Lehrer geworden sind, kann es doch keine wirklich schlimmen Erfahrungen geben, muss der Lehrer vielleicht einem Irren, eher Kranken in die Hände gefallen sein. Vielleicht zeigt das Auffinden des unversehrten Hundes nur Tage nach dem Mord an, wessen Kind der Mörder sein muss?

Einsam muss die Gegend sein, in der das Opfer, Oberstudienrat Schirner, lebt. Natürlich ein Villenviertel. Mittelklasse, könnte man zum Lebensstil sagen, denn ein Lehrer verdient zwar stetig, aber, wie uns gerade die Proteste und Demonstrationen des Jahres 2012 zeigen, nicht zu viel. Trotzdem beschleicht den Leser schon ein ungutes Gefühl, berichtet Franz von der Einsamkeit jener Wege, die das Opfer schon seit Jahren und nun natürlich auch in der Mordnacht nahm.
Das Cover dieser Lizenzausgabe hat wenig mit dem eigentlichen Fall zu tun. Ein weiteres Opfer im Verlauf der Geschichte stirbt an eben dem gleichen Ort inmitten eines Waldstückes. Warum man daher bei Weltbild einen Brückenbogen und einen gepflasterten Weg durch eine Stadt als Coverbild wählte, ist sicher nicht zu verstehen.

Franz hat eine eigene Art, seine Akteure dem Leser nahe zu bringen. Peter Brand breitet wieder einmal seine gesamte Lebensgeschichte aus, muss natürlich wegen seiner vergangenen Ehe auf die Tränendrüsen des Lesers drücken, auch darauf hinweisen, wie schwer es ist, zwei heranwachsende Mädels, seine Kinder, gut zu erziehen, wenn man einen Job hat, wie er. Zum Glück bleiben seine Großeltern als sicherer Hafen gleich um die Ecke und scheinbar bahnt sich auch eine festere Beziehung mit einer Kollegin an.

Früher war es wohl verpönt, wenn Staatsdiener, die an ähnlichen Fällen arbeiten, zusammen-kamen. Beim Militär soll dies nicht nur in den USA heute noch der Grund für ehrlose Entlassungen aus dem aktiven Dienst sein. Trotzdem und sicher aus Mangel an Gelegenheit versucht Brandt, sich ein Stückchen heile Welt aufzubauen. Dass dabei eine dreijährige gärende Ruhe zwischen ihm und der nun Angebeteten geherrscht haben soll, erscheint schon wieder unglaubhaft, denn Brandt wie auch seine Kollegin kommen nicht wie schüchterne Menschen einher, fallen regelrecht übereinander her, als sie sich fast durch einen Zufall endlich ihre liebe gestehen.

Vielleicht hatte Franz wenige Erfahrungen im zwischenmenschlichen Sein. Vielleicht dachte er auch, ein Polizist kann nur ganz… oder eben gar nicht.

Der Fall zumindest spitzt sich zu.

Es kommt zur Selbstjustiz. Natürlich entstehen auch erste engere Kontakte zur schönen Staatsanwältin, die in späteren Romanen noch eine ganz andere Rolle gemeinsam mit Brandt spielen sollte. Doch was ich bei allem Verständnis für die Situation und die gut beschriebenen Gründe für die verschiedenen und doch so gleichen Taten bisher nicht verstehe: Wie kann das Rechtssystem dermaßen gebeugt werden, wie beschrieben?

Natürlich gibt es Situationen im Leben, die besondere Maßnahmen erfordern. Nur… man sollte schon selbst in einem Roman von Andreas Franz die verschiedenen Für und Wider der Er-mordeten und deren eigenen Taten betrachten. Gerade im Falle des zweiten Ermordeten wäre dies sinnvoll, denn er tat auch im Privaten zumindest einem Menschen etwas besonders Gutes, ohne selbst für deren Situation verantwortlich gewesen zu sein.

Ein Buch, das begeistert? Es ist spannend, bietet verschiedene nicht vorhersehbare Wendungen und fesselt den Leser darum sicher bis zur letzten Seite.
Ein Buch, das nicht loslässt? Die Geschichte erinnert an die eigene Schulzeit, zustände in Schulen, die dem Absolventen erst wirklich auffallen können. Daher bindet es den Leser.
Ein Buch, das neugierig auf eine Fortsetzung macht? Bitte nicht! Die Geschichte ist zu traurig.
Ein Buch zum Weiterempfehlen? Natürlich! Nur sollte man aufpassen, den Abschluss nicht als Spiegelbild einer wirklich guten Rechtsprechung zu nehmen.

Schulen haben einen Nimbus. Sie verbinden Mythos, Angst, schöne und unbeschwerte Jahre… mit Stress und einer Zeit, in der man eigentlich nicht wirklich viel zu tun hat. Ein Kriminalfall dieser Art und Güte mit angesprochenem Ausgang kann all dies zerstören, aber ebenso aufrütteln und vor Ähnlichem warnen… denn das Verbrechen lauert überall!

Weitere Informationen im Internet unter http://www.andreas-franz.org und http://www.kraur.de.

© + ® der Rezension:
Stefan Jahnke, Dresden
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