Gregory & Tintori - Das Auge Gottes

Gregory & Tintori - Das Auge Gottes

Beitragvon Stefan Jahnke » 2. Sep 2012, 17:23

Rezension

Buchtitel: Das Auge Gottes
Autor: Gregory & Tintori
Genre: Thriller
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag Hamburg, dt. Erstausgabe 2008
ISBN: 978-3-499-24748-4
Buch: 416 Seiten, PB, 19 x 11,4 x 2,4 cm


Das Buchcover verheißt einen Thriller, der im arabischen Raum spielen könnte, der Klappentext verspricht eine Jagd nach einem lange verschollenen Relikt und die Geschichte soll sich um ein Artefakt aufbauen, welches seinem Besitzer unendliche Macht und natürlich Reichtum verspricht.
Genug Stoff also, um eine übliche Jagd mit Verblendung, Mord, Entführung und schließlich der nötigen Weltrettung hineinzuinterpretieren.

Üblich und gewöhnlich… zwei Worte, die der Leser schon nach den ersten Seiten als nicht zu-treffend ad acta legen wird. Denn auch wenn viele Diktatoren und Tyrannen, ganze Volksstämme ihre Macht auf alte Relikte zu stützen versuchten, wie die bekannte Bundeslade, eigenhändig von Gott geschaffene Schrifttafeln, Kristallschädel oder andere Fundstücke a la Indiana Jones, so geht es hier um etwas Gleiches und doch so anderes. Energie. Genauer: Schöpfungsenergie. Ein kleines Stück aus jenem Urknall, der eist nicht nur uns selbst, sondern vorher unseren Planeten, das Sonnensystem, gar das gesamte Universum entstehen ließ.

Unvorstellbar? Vielleicht. Dafür ist es ja auch eine Geschichte, wenn von Gregory & Tintori auch sehr spannend und die gesamte Welt, alte und neue Mächte einbeziehend in Szene gesetzt.

Wer hätte Interesse an solch einer Energie? Die üblichen Verdächtigen? Natürlich die Terroristen, die sich selbst die ‚Weltverbesserer’ nennen… oder gern auch irgendwie anders mit jeweils demselben Hintergrund. Dazu wollen die Supermächte natürlich ebenso einen Teil von diesem Fund abbekommen, sich ihre Position nicht nur sichern, sondern diese weiter ausbauen. Und ganz nebenbei, zu beiden Anwärtern passend, sind da noch einem neuen oder auch uralten Glauben erlegene, deren einziges Ziel die Weltherrschaft ihrer Anschauungen ist.

Die Hauptpersonen sind Menschen. Alle haben sie unterschiedliche Beweggründe. Da sind zwei Schwestern, die sich vor langer Zeit verstritten, deren Freunde und Kollegen. Persönliches Leid macht die Jagd nach einem kleinen Anhänger zu einer Hatz um den Globus. Würden alle in diesem Spiel in ihrer jeweiligen Rolle wirklich tun, was sie nach dem Willen ihrer Auftraggeber oder dem Sinn ihrer eigenen Worte tun sollten und müssten, hätte sicher eine der verfeindeten Gruppen wirklich Erfolg. Doch zum Glück… kann man es so sehen? Vielleicht! …zum Glück sind da immer noch all die Dinge, die uns Menschen berechenbar und käuflich machen. Geld, Macht, Sex, Versprechen, Hinterhalt, Verrat, Vertuschung und schließlich nach viel seelischer und moralischer Verletzung auch Mord (sonst wäre es ja kein Thriller und eine Menge Spannung würde fehlen).

Der Schreibstil der beiden erfolgreichen Autorinnen lässt schnell ahnen, dass sie sich mit dem geschriebenen Wort genauso auskennen, wie mit jenen Landstrichen und Gruppierzungen, die sie in ihrem Thriller durchstreifen und auftreten lassen. Das Buch verrät, Jill Gregory ist Journalistin und Karen Tintori Expertin für jüdische Geschichte. Beste Voraussetzungen für eine solche Geschichte rund um ein Artefakt, das sicher eine weitaus ältere Geschichte aufzuweisen hat, als jegliche Religion unserer Erde es auch nur könnte.

Die Aussage des Buches ist klar. Einmal gefundene Gegenstände gehören nicht irgendwem, der glaubt, sie zu benötigen oder beanspruchen zu können, sondern allen, denen voran natürlich jenen Völkern, auf deren Gebiet man sie fand. Dass aber der sicherste Verschluss dieser Güter, ob nun aus Gold, Ton oder… göttlichem Urknall bestehend, nichts ist, was wirkliche Sicherheit garantiert, ist ebenso Bestandteil des Buches, besonders des Showdowns.

Was jedoch den Menschen dazu bewegt, sich mit einem gottähnlichen Wesen und einer Schöpfung, ob nun aus religiöser oder planetarer Sicht heraus, gleichzustellen, ist eine ebenso alte Geschichte, wie die Menschheit selbst. Die Sage vom Ikarus macht uns dies auf sonderbare Weise deutlich und trennt bis heute Befürworter und Gegner dieser Anmaßung.
Der Thriller rund um das ‚Auge Gottes’ jedenfalls ist spannend und interessant zugleich.

Ein Buch, das begeistert? In Mord, Totschlag, dem Aufeinandereinschlagen der Mächte der Welt auf ihre Gegner und das Zermalen der dazwischen Unbeteiligte ist sicher nicht unbedingt etwas, was uns zu Begeisterungsäußerungen bewegt… und doch interessant.

Ein Buch, das nicht loslässt? Der Spannungsbogen verspricht immer wieder neue Wendungen und überrascht zum Schluss doch auf eine besondere, bewegende, fesselnde Weise.
Ein Buch, das neugierig auf eine Fortsetzung macht? Die Geschichte ist zu Ende erzählt. Die Wiederaufnahme des Themas könnte zur Langeweile führen.
Ein Buch zum Weiterempfehlen? Natürlich. Kurzweilig, spannend, aufrüttelnd, eben ein Thriller.

Ob das ‚Auge Gottes’ heute noch sicher verwahrt ist, wissen wir nicht. Seine Geschichte, seine Macht und das, was es aus den darüber Wissenden machen kann, sollte man im Buch nachlesen.

Weitere Informationen im Internet unter anderem zu finden unter:
http://www.karentintori.com, http://www.jillgregory.net und http://www.rowohlt.de.

© + ® der Rezension:
Stefan Jahnke, Dresden
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