Lohmeyer, Wolfgang - Das Kölner Tribunal

Lohmeyer, Wolfgang - Das Kölner Tribunal

Beitragvon Stefan Jahnke » 29. Apr 2011, 22:18

Rezension

Buchtitel: Das Kölner Tribunal
Autor: Wolfgang Lohmeyer
Genre: (historischer) Roman
Verlag: area Verlag GmbH, Erftstadt
Auflage/Jahr 1. Auflage 2004
ISBN: 3-89996-019-X


Für Bücher, die eine Geschichte über mehrere Bände erzählen, gibt es meines Erachtens immer nur zwei Möglichkeiten. Entweder alles wird gestreckt, um möglichst viel Papier zu bedrucken und die Story wird von Seite zu Seite seichter, oder aber es steht soviel Handlung zur Verfügung, dass die Spannung bis zum Ende des letzten Bandes anhält.
Lohmeyer legte die Geschichte um den Dreißigjährigen Krieg, Hexenprozesse und deren Ende im alten Kölner Gebiet absichtlich als Dreibänder an. Im Abspann dieses letzten Buches um Friedrich Spee schreibt der Autor, dass der letzte Band nun abweichend zu den vorherigen nur ein einziges, nämlich das letzte Lebensjahr der Hauptperson der Geschichte beschreibt.
Wiederum lässt uns Lohmeyer in eine Welt eintauchen, die wir aus vielen anderen Veröffentlichungen ähnlich oder auch ganz anders kennen. Schon allein die gewählte Sprache entspricht nicht dem, was wir heute gemeinhin als ‚die Stimme des Mittelalters’ bezeichnen. Doch bei der Lektüre fällt natürlich auf, warum Lohmeyer dies absichtlich so gestaltet.
Wird man uns eines Tages nach noch vorhandenen Tonaufzeichnungen oder den gekünstelt wirkenden Schreibereien in den aktuellen Chroniken, gar den hochtrabenden und für Nichtrechtskundige unverständlichen Ergüssen der Gerichte und Anwälte beurteilen? Ja, das Erste ist sicher der Fall. Dumm nur, dass uns für das längst vergangene Mittelalter keinerlei belegte Tonaufzeichnungen zur Verfügung stehen. Und schon ist klar, warum unser Empfinden für Sprache und Vergangenheit automatisch falsch sein muss.
Köln hat ein Problem. Der Schwede will es einnehmen und der Fürst und Landesherr aller Ländereien rund um die freie Reichsstadt gibt keine Mittel frei, Deutz, Köln vorgelagert, zu befestigen. Von da, so meinen alle zu wissen, kann der Schwede die Stadt einfach nehmen. Grotesk fast erscheinen die Versuche, Fürsten und andere edle Herren dazu zu bringen, endlich etwas zu unternehmen. Lieber beschäftigen diese sich doch mit ihrem Dünkel, ihrem Ruf, ihrem eigenen Leben. Und natürlich mit Spee, diesem wagemutigen Jesuiten, der es wagte, einst ein Buch zu schreiben, in dem er alle Hexenprozesse als Unrecht einstuft. Nun erlaubte er sich gar, eine zweite, diesmal gar von ihm gewollte Auflage herauszubringen von jener ‚Cautio Criminalis’, die alle lesen, jeder kennt und doch niemand für gut befinden will. Dass nun Spee gar droht, den gleichen Weg zu gehen, wie seine so oft geschützten Hexen, erscheint folgerichtig.
Natürlich geht es Lohmeyer wie allen Autoren, die sich mit Vergangenem beschäftigen. Ihm fehlen viele Figuren, ganze Handlungsstränge, die zu später verbrieften oder auch wieder angenommenen Reaktionen führen. Ehrlich gesteht er dies auch im Epilog ein. Doch es gelang ihm mithilfe seines Wissens um Zusammenhänge und seinem Gespür, die Geschichte richtig zu spinnen, einen Ablauf zu finden, der wirklich so gewesen sein könnte. Viele der erst als unmöglich erscheinenden Vorgänge belegt der Autor als wahr. Andere, die man gemeinhin als möglich einstuft, dabei also beim Lesen als gegeben hinnimmt, die entlarvt er als erfunden, wenn auch liebevoll ins Geschehen geformt.
Solch ein Buch mit alten Ansichten zu schmücken, die ein wenig mehr Einblick in das wirkliche Bild der Zeit geben, ist richtig und gut gelungen.
Mein Fazit zu Band drei kann somit nicht anders ausfallen, wie zu den vorangegangenen Bänden. Lohmeyer lässt die alte Zeit aufleben, lässt den Leser teilhaben daran und macht neugierig, ähnliche Werke in die Hand zu nehmen, um noch tiefer einzusteigen.
Wie sagte ein anderer Autor historischer Romane erst kürzlich? Mir ist es egal, ob man mir einige Zusammenhänge um die Ohren hauen wird, die ich erfinden musste, weil alle Anderen alles besser wissen. Mir reicht es, dass ich genau die auf den Plan gerufen habe und so jene Zeit, über die ich schrieb, wieder aktuell und interessant in aller Munde ist.
Dem schließe ich mich an und stelle doch abschließend die Frage:
Kann es ein, dass ähnliche Vorgänge, wie Lohmeyer sie rund um Spee und seine Zeit beschreibt, heute noch möglich sind? Meine Gedanken sagen mir, ja. Denn so richtig haben wir alle mit den damaligen Missetaten noch nicht abgerechnet, fühlen uns aber zu oft zu schnell als Opfer.

© + ® der Rezension:
Stefan Jahnke, Dresden
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