Morrell, David - Creepers

Morrell, David - Creepers

Beitragvon Stefan Jahnke » 29. Apr 2011, 21:17

Rezension

Buchtitel: Creepers
Autor: David Morrell
Genre: Thriller
Verlag: Knaur/Bertelsmann Club-Taschenbuch, Verlagsgruppe Random House GmbH
Auflage/Jahr 1. deutschsprachige Auflage 2006
ISBN: Deutsche Originalausgabe 978-3-4266-3447-9, Buchnummer Bertelsmann 088589
Buch: 432 Seiten, PB, 12,5x18x2,5cm

Geheime Orte zu erkunden, das ist sicher nicht nur für Väter mit ihren gerade allein laufenden Söhnen interessant und spannend, sondern hat manchen Reiz für die ‚normalen’ Erwachsenen.
Dass es gar Vereinigungen, ganze Organisationen gibt und diese sich nicht nur in Übersee zu einer Plage für längst dem Verfall preisgegebene Gebäude entwickelt haben, war mir als unvor-eingenommener Leser bisher nicht bewusst, ließ sich jedoch anhand verschiedener Recherchen nicht nur im Internet leicht nachprüfen.
Brachen sind heute dort, wo einst Hunderte Menschen arbeiteten, Ruinen da, wo sie lebten und verlassene Gebiete, wo einst Touristikunternehmen mit Hotelbesitzern um günstigere Konditionen und einfachen Strandzugang feilschten.
Morrell nimmt den Leser mit auf einen Abenteuertrip in ein längst verlassenes Gebäude in einer Stadt, die als Hochburg der Erholung und des Luxus galt, heute jedoch verfallen und fast leer ist.
Ein von der Bluterkrankheit Gezeichneter baute sich vor Jahrzehnten ein Hotel in Form einer Pyramide, das er nie verließ. Nie sah er wirklich jene Bauten, die Ägypter und Mayas uns an ver-schiedenen Orten der Welt und zu verschiedenen Zwecken hinterließen, sondern orientierte sich an Berichten seiner Eltern. Schon allein die Form des Gebäudes ist mystisch, deutet sie doch auf Freimaurer, vergessene Kulturen und Geheimnisse hin. Dass der Chef der kleinen Truppe als Professor es eigentlich besser wissen sollte und sich und seine ehemaligen Studenten nicht den Gefahren aussetzen dürfte, die ein altes Gemäuer nun einmal birgt, wissen wir alle. Wer stand nicht schon einmal in einer Ruine, sah, dass sich Dach und Fußböden als tödliche Fallen ge-stalten können? Und doch will er genau dieses Gebäude besuchen, nimmt gar einen Reporter mit, der die Arbeit der oft verkannten Creepers dokumentieren soll.
Schon dieser Einstieg auf den ersten Seiten des Buches verspricht Spannung ohne Hinterhalt, aber mit dem bekannten Prickeln auf dem Rücken, das Hitchcock schon süffisant beschrieb. Morrells Erzählstil ist locker und fesselnd zugleich. Er nimmt den Leser mit, beschreibt Um-gebung und Personen bis hin zum Windhauch so, dass man meint, dabei zu sein. Der Leser kann nur Partei ergreifen für die einzelnen Akteure, ihr Tun und ihre Fehlschläge, die Angst, die sie haben, oder auch ihre manchmal gar ungeahnten Fähigkeiten bei der Lösung der verschiedensten Situationen auf ihrem außergewöhnlichen Sightseeingtrip.
Aber Morrell wäre nicht Morrell, wenn es bei einer puren Besichtigung bliebe.
Ein unerwarteter Gegner stellt sich den Besuchern entgegen. Dass das Hotel in den nächsten Tagen von einem Sprengtrupp für die endgültige Beseitigung vorbereitet werden soll, macht die Erlebnisse und Nöte der Gruppe nicht gerade geringer.
Jeder der Akteure hat eine ganz eigene Geschichte, einen Grund für sein Tun. Da spielen Miss-erfolg, Verlust, Liebe und Starrsinn, aber auch Dünkel und Machtgier eine Rolle.
Das Buch erschien allein auf dem deutschen Buchmarkt in verschiedenen Varianten. Doch alle mir heute bekannten Cover zu Morrells Geschichte vermitteln unterschiedlich und doch gleich die Mystik des besuchten Ortes, wie auch die Gefahren, die sich darin verbergen.
Umfangreiche Recherchen betrieb der Autor im Vorfeld, glaubt man seinem Nachwort zum Club-Taschenbuch von Bertelsmann. Diese waren sicher nötig, denn einige Gedanken, die seine Creepers und ihr Gegenspieler haben, die sie treiben, vor der Aufgabe bewahren und hin zu un-erwarteten Wendungen führen, hätte er sonst nie beschreiben können.
Ein Buch, dessen Inhalt man nicht nachspielen sollte.
Ein Buch, um sich auf eine natürliche, noch angenehme Weise zu gruseln.
Ein Buch, das dem Leser ins Gedächtnis zurückkehrt, sieht er eine Ruine am Straßenrand.
Ein Buch, das Sie gelesen haben oder Ihren Kindern empfehlen sollten, wenn diese sich zu gern in der geschlossenen Fabrik nebenan, auf alten Garagengeländen oder im verwilderten Teil des nahen Stadtparks aufhalten, ohne die warnenden Worte der Eltern auch nur hören zu wollen.
Ein Buch, das man aufgrund seiner vielfältigen kleinen und gut erzählten Randereignisse nach ein paar Monaten gut und gerne ohne die Gefahr noch einmal lesen darf, sich zu langweilen.
Ein Buch zum Weiterempfehlen.

Weitere Informationen unter www.davidmorrell.net und www.droemer-knaur.de

© + ® der Rezension:
Stefan Jahnke, Dresden
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