eBook - Segen oder Fluch?

eBook - Segen oder Fluch?

Beitragvon Stefan Jahnke » 22. Nov 2011, 21:51

Hallo liebe Kristallfedern und liebe Interessenten!

Wie ist das nun eigentlich mit dem überall beworbenen und doch auch ein wenig belächelten eBook?
Ich erinnere mich an Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger, als verschiedene Formate die Filmwelt erobern wollten, man nicht nur von VHS, sondern auch Beta und anderen Formaten sprach, jeder Jünger seine ganz eigenen Ansichten hatte.

Dann denke ich an die Glühlampe, die man mit aller Macht in Europa verbieten will, weil das Sparen von Energie nun scheinbar auf Kosten der Gesundheit durchgesetzt werden soll. Nun ja, man gewöhnt sich eben an alles.

Später fällt mir die Langspielplatte ein, die man einfach nur darum aus dem Verkehr zog, weil man CD und DVD durchsetzen wollte, damit gleich noch die doch gar nicht so lange existierende VHS-Video-Kassette töten wollte. Und nun stehen sie wieder in den Läden. Die LP's in denen für die DJ's, weil die nun einmal nur mit den Platten die tollen Effekte auf dem Plattenspieler hinbekommen, die man bisher angeblich noch nicht einmal mit einem hochtechnisierten Computer nachspielen konnte. Die VHS... nun ja, jeder zweite Festplatten- und DVD-Rekorder allein in Deutschland muss innerhalb der ersten vierzig Tage nach Inbetriebnahme zur Werkstatt, weil entweder irgendwelche Kontakte nicht funktionieren oder aber Softwaredefekte (Firmware wohl eher) auftreten. Hatten wir so etwas jemals mit LP, CD, VHS-Kassette oder gar DVD? Jedenfalls kann ich noch VHS kaufen, obwohl seit 10 jahren Schluss damit sein sollte.

Dann denke ich wieder an das eBook.
Da sagen einige neue Anbieter auf der Frankfurter Buchmesse, das eBook würde innerhalb der nächsten 5 Jahte über 50% der Bücher verschwinden lassen. Erst einmal ganz davon zu schweigen, dass man vorhandene Bücher nicht verschwinden lässt, dass der Umsatz mit gebrauchten und leicht beschädigten Büchern rund zwanzig Mal höher ist in Deutschland, als der Absatz neuer Titel, und dass Lesegeräte den verschiedensten Standards folgen, also die gleichen Fehler bei der Einführung der eBooks gemacht werden, wie bei der Videokassette vor rd. 30 Jahren, fällt es mir schwer, wirklich zu glauben, dass man auch nur einen Moment ernsthaft darüber nachdenkt, das Buch als Ding aus Papier sterben lassen zu wollen.

Ja, ich gehöre der Generation an, die noch die Glühlampe mag. Ich schrieb meine ersten Geschichten nicht nur mit der Hand, sondern auch mit der Schreibmaschine (kennt so etwas ein heute durchschnittlicher Teenie überhaupt noch?). Meine liebsten Musiktitel habe ich mühevoll von LP auf den Computer überspielt... nicht, weil ich an diese Technik allein glaube, sondern einfach erkennen muss, dass man den normalen Plattenspieler einfach aussterben lassen will. Dabei will ich nicht auf der Strecke bleiben, finde es aber nervig, den Compurter anwerfen zu müssen, um Musik zu hören.
Nun soll gar die CD sterben? Quatsch... selbst heute gibt es noch VHS-Kassetten zum Aufnehmen zu kaufen. Bei Aldi stehen noch normale MC's an der Kasse, auf die ich mit einem Kassettendeck nicht nur Radiomusik, sondern auch die Stimmen meiner Kinder aufnehmen kann. Sogar noch analoge Kleinbildfilme sehe ich an der gleichen Kasse, obwohl, und da gebe ich den Fortschrittlichen recht, die Digitalkamera einfach das Rennen zu machen scheint. Aber auch nur, weil ich von diesen Bildern weiterhin normale Papierprints machen lassen kann. Der markt dafür ist in Deutschland preislich nach unten in Bewegung und wird reichlich genutzt.

Was passiert um uns?
Lediglich Entwicklung.
Doch was war bisher stets problematisch und zum Sterben verurteilt?
Wenn das Dingliche wegfiel.
Heute noch tun sich nicht nur Regierungen und Gerichte schwer, sich zu Software, also zu vergänglichen Daten auf irgendetwas zu äußern. Die Tauschbörsen und deren gesetzliche Handhabung zeigen dies deutlich.
Die LP konnte durch die CD und DVD abgehöst werden. Die kann man immer noch in die Hand nehmen.
Video bekam die DVD vor die Nase. Ich kenne Leute, die besitzen stolz über tausend DVD's.
Software war früher grundsätzlich auf Diskette, CD, DVD. Nun sollen wir die nur noch über das Internet beziehen? Warum bieten namhafte Anbieter dann heute noch DVD-Kopien per Post an? Weil die Leute die gesunde Scheu davor besitzen, dass man ihnen eines tages etwas wegnehmen wird, was sie nicht dinglich besitzen, also z.B. die gekaufte Kopie über das Internet. Dann hilft die Kopie auf CD/DVD.

Der Mensch ist gefühlsbetont.
Das beginnt mit dem Akt der Zeugung über erste Schritte, Schule und ihm aufgezeigte Grenzen, Freund und Leid bis hin zum eigenen Tode.
Er muss etwas sehen, halten, fühlen.
Dort liegt m.E. das Manko der radikalen digitalen webgestützten Lösung.

eBooks, wie auch Filme aus dem Netz o.ä., sind temporäre Errungenschaften.
Ein Buch in Papierform kann man an den Kumpel witergeben, eine Widmung hineinschreiben, es ins Regal stellen, damit es auch der Besuch sieht, noch einmal darin blättern, sich daran freuen.
In meiner Welt wird ein eBook stets nur ein Zusatz sein.
Taschenbücher oder edle Hardcover... werden in meiner Überzeugung nicht verschwinden. Dazu sind sie zu gegenwärtig, zu fest mit uns, dem Menschen, verankert.

Die Generation des iPad ist zu beneiden... und auch zu bedauern.
Wir alle leben nicht im Netz. Was dann passiert, sieht man nicht nur im nicht enden wollenden Rausch der Matrix.
Wir leben mit dem Netz, bleiben aber Menschen, brauchen Dinge ajus Stoffen... sonst fallen wir ins Bodenlose anstatt auf einem Stuhl zu sitzen.

Ich gebe es zu... vier Bücher von mir gibt es schon als eBooks. Anfang Februar 2012 erscheint ein weiteres.
Ich bin stolz darauf.
Aber ich sehe darin nur ein Zubrot... für die Leser und für mich.
Der eBook-Reader am Strand, in der Badewanne, im Bett, auf der Toilette, gar bei der Autorenlesung? Kein Buch mehr aus Papier? Ehrlich... noch denke ich wirklich, dass dies nur ein schlechter Scherz sein wird.

Überrascht mich... wie sieht unsere Zukunft aus? Was glaubt Ihr?
Ich bin skeptisch... wenn auch offen.
Fortschritt kann nicht nur Verbannung des lange Etablierten sein.
Nein, das glaube ich einfach nicht... und das gibt mir viel Kraft, bedeutet Halt für mich!

Und wie denkt Ihr darüber?

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Re: eBook - Segen oder Fluch?

Beitragvon Haydak » 22. Nov 2011, 23:27

Hallo Stefan,

darüber bin ich geteilter Meinung.
Einerseits ist ein E-Reader für einen Vielleser der häufig unterwegs ist sicher ein Segen. Auch für kranke Menschen, die viel liegen, ist er sicher sehr sinnvoll, auch in Richtung Hygiene. Wenn ich denke, in welchem Zustand manche der Bücher sind, die ich im Antiquariat in die Finger bekomme, die möchtest Du niemandem mit ins Bett geben! Außerdem können ältere Leser die Schrift vergrößern, was das Lesen wesentlich leichter macht. Dazu spart das E-Book Resourcen, weil es kein Papier verbraucht, was in unserer derzeitigen Umweltsituation sicher nicht unerheblich ist.
Andererseits kann niemand das Gefühl, den Geruch und die Aura eines gedruckten Buches ersetzen! So ein Regal voller Bücher ist doch eigentlich ein Traum! Das fühlt sich schon ganz anders an, ein richtiges Buch in Händen zu halten und im Regal stehen zu sehen. Manche dieser Bücher sind so voller Erinnerungen aus Generationen gefüllt, dass man diese regelrecht fühlt, wenn man das Buch in Händen hält.
Ich nehme mal an, solange die Papierherstellung möglich ist, wird es auch gedruckte Bücher geben. Je nach Situation ist mal das echte Buch oder das E-Book sinnvoller. Wahrscheinlich werden sie eine ganze Zeit nebeneinander existieren, was durchaus sinnvoll ist. Die Zukunft wird zeigen ob das gedruckte Buch mangels Resourcen oder Interessenten vom Markt verschindet. Dem E-Book aber ist die Zukunft wohl schon gesichert.
Ich lerne aber gerne mehr dazu. Jedenfalls werde ich die Entwicklung gespannt beobachten.

Liebe Grüsse

Mike
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Re: eBook - Segen oder Fluch?

Beitragvon Stefan Jahnke » 23. Nov 2011, 09:16

Du hast recht, Mike, das eBook wird kommen. Es ist ja schon da. Ob es das wirklich gedruckte Buch ablösen wird, ist und bleibt noch im Nebel der Zukunft verborgen.

Nur bin ich ich wegen eines ganz anderen Problems skeptisch:
Wenn ich eine Langspielplatte, eine CD, eine DVD, ein Buch in der Hand halte (man könnte das noch erweitern), dann gehört mir das Ding da in meiner Hand. Wenn ich mir aber virtuell eine Software, ein Musikstück, einen Film, ein eBook aus dem Cyberspace herunterbeame, kann ich es weder anfassen, noch hab eich die Gewähr, dass es nach meinem nächsten Computercrash noch für mich existiert. Ganz zu schweigen von den Möglichkeiten der Hersteller und Lizenzgeber, einfach Lizenzen oder Rechte zu entziehen. Denn wir sind ja laufend online.
Microsoft lebt das schon vor. Der Krake der Aktivierung... Natürlich versucht man fleißig, allen klar zu machen, dass man immer und bis zum St. Nimmerleinstag aktivieren lassen wird, wenn denn die Software auch wirklich gekauft wurde, also legal ist. Aber was ist, wenn die Server bei Microsoft mal einen Klatsch haben? Ist dann weltweit Windows XP zum Sterben verurteilt (oder welches Betriebssystem dann auch immer gerade existiert)?
Ist ja heute schon so... kaufen sich die Teenies online ein Handygame und wechseln ein Jahr später ihr Handy, ist das Spiel futsch. 3...10 EUR im Sand.
Was ist dann bei Büchern? Wenn ich für ein Buchprint 10 EUr bezahle, für das zugehörige eBook vielleicht 5 EUR, dieses aber nicht meinem Sohn vererben kann, er es sich selbst kaufen muss, ich nicht weiß, ob die nächste eBook-Reader-Generation mein gekauftes eBook noch liest und anzeigt, ich also vielleicht selbst gar das Buch verliere, alles weg ist, wenn mein eBook-Reader mal in der U-Bahn liegen bleibt, dann ist mir diese Sache im jetzigen und derzeit angedachten Entwicklungsstand als Alternative zum Printbuch zu heikel.
dann schon eher die Lösungen einiger Bibliotheken...
50 Cent für eine Leihe eines eBooks, das dann eben 4 oder 8 Wochen auf meinem Reader verbleibt und danach verschwindet oder gesperrt wird. Nur lässt sich damit natürlich keine hohe Marge für Verlage UND Autoren erzielen.

Irgendwie ist mir der Weg noch nicht klar.
Derzeit speichere ich alle offiziell gekauften Musiktitel noch auf DVD oder CD, nachdem ich sie durch verschiedene Konvertierungsprogramme laufen ließ, die mir die Gewähr geben, dass ich auch noch im nächsten Jahr einen zugehörigen Player finden kann. und als Wave ist auch noch alles ausgebbar. Auf CD gebrannt, kann ich dann sogar meinem Kumpel mal zum... anhören... borgen.

Na, ich denke, es wird eine ganze Weile dauern, bis sich das eBook ganz durchsetzt.
Solange 'BestPrice'-Bücher für 1...3 EUR zu bekommen sind, nur weil man beim Öffnen der Verpackung einen Ratzer auf den Buchrücken gemacht hat, man so gar fast aktuelle Bestseller bekommen kann, wird man sich wohl noch mit dem wirklich gedruckten Buch abfinden müssen. Zumal die ja meist eh' auf Recycling-Papier gedruckt werden. Böse Zungen meinen ja heute schon, dass die vielen Recycling-Angebote der Papierindustrie jetzt schon kaum ganz ausgeschöpft werden. Was wird denn in Zeiten des eBooks mit eben jenen Massen an Papier-Recycling-Brei?

Ich denke bei diesem Disput meist an einige SF-Serien oder auch Filme, in denen alle Elektronik ausfällt und sich die Menschen auf die letzten par gedruckten Bücher stürzen, um zu begreifen, wie sie alles wieder einschalten können.
Nur mit eBooks sehen wir dann wohl ziemlich alt aus!

Es lebe das Wort... erdacht im Kopf, geschrieben auf dem Computer, gesandt über das Internet zum Verlag, korrigiert auf Papier im Lektorat, gedruckt auf Papier, gelesen am Strand, im Flugzeug... und auch irgendwo mal für die Freaks als eBook vorhanden!
Spannend ist es sicher, was geschieht. Warten wir es ab. ich lasse mich gern überzeugen. Nur fehlen mir derzeit richtige Argumente der Wirtschaft. und die sollte doch, gestrickt nach den Bedürfnissen der Leser, zuerst wissen, was sie will. Zumindest kann sie alles beeinflussen.

Vorhang auf... für eine spannende Zukunft!

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Re: eBook - Segen oder Fluch?

Beitragvon Stefan Jahnke » 11. Dez 2011, 19:42

So richtig traut sich hier wohl niemand ran?
Nur Mut!

Habe jetzt erst wieder eine Nachricht von einem passionierten Leser erhalten...
eBooks sind für ihn ein Graus. Er will abwarten, bis dabei alles rechtlich und dauerhaft datensicher, die Geräte flexibler, die Preise um Welten niedriger sind. Nun ja, keine Ahnung. Gerade kommt mein fünftes eBook auf den Markt, im Neuen Jahr dann schon das sechste. Trotzdem sage ich offen und ehrlich... ein Buch nur als eBook zu veröffentlichen... käme bei heutigen Angeboten für mich auf keinen Fall infrage.

Liebe Grüße aus Dresden
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Re: eBook - Segen oder Fluch?

Beitragvon Lutz Rocktäschel » 11. Dez 2011, 22:38

Hallo Stefan,

in Sachen technischen Fortschritts haben negative Aussagen nur eine sehr geringe Halbwertszeit. Oftmals betrifft das auch die Alternativen zur negativen Aussage. Es wird in der Zukunft einfach ganz anders sein und uns viel schneller einholen, als die Gegenwart jeweils vermuten lässt. - Z.B. - die CD's werden ab 2013 nicht mehr produziert.

Na dann, gute Nacht

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Re: eBook - Segen oder Fluch?

Beitragvon Stefan Jahnke » 12. Dez 2011, 08:32

Hallo Lutz,

das ist schon richtig. Auch die Langspielplatte ist eigentlich tot und wird immer noch produziert, da die DJ's eben nun einmal handgemachte Effekte mit der CD nie hinbekommen haben... geschweige denn mit der MC.
Nur ist der Schnitt bei der CD ja eigentlich gar kein richtiger.
Ja, natürlich. Die CD verschwindet... die DVD wird aber ausgebaut.
Und dabei ist ja offensichtlich, warum:
Auf eine CD passen nun einmal in diversen Formaten nur soundsoviele Lieder... auf eine DVD noch Music-Videos, Hintergrundinformationen, Datenbereiche, Spiele zum Hit usw. Außerdem kann sich die Elektronik-Industrie hier über eine weitere Zentranisierung freuen, denn gleichzeitig verschwinden die Videorekorder der VHS-Technik schon lange, sicher bald ganz. So wird man in Zukunft (wie jetzt auch) Musik und Film, gepaart mit weiteren Online-Angeboten einfach über ein Gerät abspielen (können).
Fazit: Bei Musik und Film wagt derzeit niemand wirklich den Schnitt, wegzugehen vom dinglichen Kaufobjekt. Das hat seinen Grund: Auch wenn die Festplatten immer größer und unanfälliger werden, sind sie im Vergleich zu einer DVD-Sammlung eben... unsicherer.
Wie das bei eBooks wird? Die Zukunft wird es zeigen. Noch bin ich skeptisch... auch schon darum, weil die Lobby der Verlage sich natürlich ähnlich schnell wie ein Elefant in einer seiner Größe entsprechenden Grube bewegt. Ob nun aus überaltertem Denken, Angst vor Verlust oder einfach... Tradition?
Technischer Fortschritt hin oder her... dass man einiges mit heutigen Mitteln schon ganz anders und vielleicht gar besser tun könnte, als wir es heute alle tun, ist jedem klar. Ob dies jedoch wirklich ein Fortschritt sein soll, wird sich in der Umsetzung zeigen. Beispiele wie die Wahlcomputer oder die Einführung von E10, der Abruch bei der Glühbirne usw. zeigen dies leider nur zu deutlich.

Liebe Grüße aus Dresden
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Re: eBook - Segen oder Fluch?

Beitragvon Lutz Rocktäschel » 17. Dez 2011, 07:35

Hallo Stefan,

deine Ergänzung zur DVD finde ich gut. Ich denke auch, dass jeder für sich auf Hardware nicht verzichten will. Z.B. werde ich wohl nie ein Online-CRM-Programm als angeblich sichere Variante gegenüber dem Programm auf dem eigenen PC akzeptieren.

Fortschrittsgläubig bin ich nicht, deshalb stimme ich deinen Anmerkungen zu Glühlampe und E10 gerne zu.

Die Vinylschallplatte ist ein gutes Beipiel für das, was ich als Zukunft für das Papierbuch sehe. E-Books haben einfach zu viele Vorteile (Gewicht, Buchstaben vergrößern, Bibliotheks-Speicherplatz, Format) und die Entwicklung der Lesegeräte ist rasant (Aussehen und Handling, Preise nach unten aufgrund Massenproduktion). Das Papierbuch wird zum Gegenstand für Liebhaber. Es bedient nicht mehr den herkömmlichen Massenmarkt. Was es schon immer war, wird noch verstärkt: Sammlerobjekt. Die Preise für Papierbücher werden dann wieder steigen, weil die Ausstattung hochwertiger wird. Das Gestalten von Büchern wird auch wieder in der Belletristik wichtiger - ein ästhetisch gut gemachter Buchrücken und eine Satzgestaltung mit hoher Aufmerksamkeit für Papier, Druck, Schrift und bildlicher Accessoirs (siehe die Gestaltung der mittelalterlichen Bibeln oder auch der Märchenbücher, Sachbücher und Comics).

Dann kann Lesen auch richtig gemütlich sein und wird zum Hochgenuss :lbk:



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Re: eBook - Segen oder Fluch?

Beitragvon Stefan Jahnke » 20. Dez 2011, 16:54

Hallo miteinander,
hallo Lutz!

Ja, das ist gerade das Spannende an alledem. Wohin geht die Entwicklung? Niemand kann es heute ganz sicher sagen und irgendwann werden doch genügend Menschen da sein, die dann behaupten, genau gewusst zu haben, wohin es geht.

Vielleicht halten wir eines Tages wirklich wieder mit der Hand aufbereitete Bücher in der Hand, streichen über neue und doch sehr edle Lederdeckel, sehen den Goldschnitt auf dem Buchrücken.
Das hat sicher etwas... und auch seinen Preis.
Als das Pergament langsam aber fortwährend vom Papier verdrängt wurde, dachte erst einmal niemand daran, den alten Zustand zu erhalten. Genauso, wie wir heute recht selten mit mehrseitigen 'Büchern', bestehend aus gebrannten Lehm- oder gar gemeiselten Steinplatten durch die Welt schreiten. Auch die Quipu haben sich nicht durchgesetzt, selbst wenn manche Studentenpullover wie diese alten Schnür-Schriften aus Altperu aussehen.
Das handgeschriebene Werk aus dem alten Kloster ist heute vom Aussterben bedroht. Gutenberg schaffte es, neben anderen Meistern seiner Zeit, auf diesem handgeschöpften Zeug, das wir heute 'Papier' nennen, zu drucken und damit die Arbeit der Mönche nach und nach ins Abseits zu drängen.
Manchmal halte ich solch ein altes Werk in den Händen (ohne außer einigen Bildern darin wirklich etwas vom Inhalt entziffern, übersetzen oder begreifen zu können). Ganz selten liegt auf einem Tisch vor mir eine handgemalte, handgeschriebene Bibel aus Zeiten, als man Papier gerade erst oder noch nicht wirklich kannte. Wenn dann auch noch eine Gutenberg-Bibel daneben liegt, erkennt man den Unterschied sofort. Eigentlich, geht mir dann durch den Kopf, hat zwischen diesen beiden Werken der Fortschritt das Schöne zerstört. Denn das Knistern beim Blättern in Pergamenten ist ein ganz anderes, als bei noch so gutem Papier. Und wenn dann die Seiten nicht mit Arsen bestrichen sind, wie in 'Der Name der Rose', hat man sogar noch die Chance, dieses Erlebnis über Jahre in sich zu konservieren.

Ob wirklich ein Revival zum edel und gut gemachten Buch kommen wird? Wir wissen es heute noch nicht. Klar scheint jedoch, dass die wirklich alte Buchdruck- und -bindekunst fast ausgestorben ist. Vielleicht geht auch der Trend wirklich weg vom Papier, das selbst bei 200%-igem Recycling noch Probleme in der Umwelt bereitet.

Ich nehme mir ein gutes Buch (nein, es muss nicht nur eines aus meiner elektronischen Feder sein), lege mich gemütlich aufs Sofa, blättere um, lese, lasse mich umfangen und steige in ganz unbekannte Welten ein, bemerke gar nicht, wie mein Arm einschläft, die Kerzen langsam herunterbrennen und meine Tochter am Computer ein vom Klassenkameraden gescanntes Heft als PDF öffnet, eine Weile darin herumliest und schließlich doch ein paar Seiten davon mit dem alten Tintenstrahldrucker ausdruckt, um die Bilder aus den Seiten zu schneiden und in ihren Schulhefter zu kleben. Dabei hört sie Musik von ihrem iPod, die Papa vorher mühevoll von DVD oder der fast schon toten CD digitalisierte, freut sich, dass im Weihnachtsprogramm wiedereinmal ein Film aus der Twilight-Saga läuft, wobei sie gleich wieder wettert, dass der Film gar nicht so gut ist, wie das zugehörige Buch. Trotzdem wird sie ihn anschauen... und anschließend im Internet einige Fanseiten besuchen, wo sie stolz postet, wie oft sie schon eben dieses Werk las.
Mein Sohn verbindet sich inzwischen via WLan von seinem nintendo 3DS mit seinem Kumpel, der nur zwei Straßen weiter wohnt, spielt mit ihm eine halbe Stunde online irgendein Spiel, meint dann, es reiche ihm, und macht sich mit eben jenem Kumpel aus, nun endlich Fußballspielen zu gehen. Denn immerhin gibt es seit ein paar Wochen einen neuen Platz dafür im Wohngebiet. Und der Ball ist immer noch rund... und aus... na ja... Fortschritt... aus synthenischem Leder(ersatz).
Meine Frau steht in der Küche, schimpft über den neuen Herd, weil das Induktionsfeld noch gewöhnungsbedürftig ist, sucht im alten Kochbuch, findet aber nicht das Richtige und bemüht mit Erfolg Google.

Fortschritt ist eine feine Sache...
Im Januar kommt mein 5. eBook heraus. Der Verlag entschied, dass das Werk nun auch in dieser Form erscheinen soll. Weil... ja, wirklich... weil der Titel als Print über die Maßen gut läuft.

Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt.
Wehleid? Nein, sicher nicht. Nur eben, wenn neue Technik angeschafft werden muss, alte eigentlich noch gut funktioniert, dafür aber eben nichts 'Kompatibles' mehr zu bekommen ist.

Frohes Fest... und immer daran denken... der Mediamarkt zahlt bis 7.1.2012 Geld zurück, wenn teuer eingekaufte neue Technik bis dahin im Preis sinken sollte... :mrgreen:

Liebe Grüße aus Dresden
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Re: eBook - Segen oder Fluch?

Beitragvon Lutz Rocktäschel » 30. Nov 2012, 17:43

Liebe Freunde,

Hier eine Meldung zum Thema E-Book: Seit dem 18.11.2012 ist mein Akustik-Thriller "Vuvuzela oder Die Stimmen der Götter" als E-Book für 4,99 € erhältlich. Ein erstes Exemplar ist verkauft, wie mir Zeilenwert mitteilte. Ich bin gespannt, wie es läuft.

:lutz: L.R.
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Re: eBook - Segen oder Fluch?

Beitragvon Stefan Jahnke » 30. Nov 2012, 18:14

Gratulation, Lutz!

Und, wie fühlt man sich, wenn man sein Wort elektronisch durch die Adern hin zu den Tablets und Readern fließen sieht? :o
Gibt es denn schon Klärungen für die letztens angesprochenen offenen Fragen? :?: :idea: :?:

Ich wünsche Dir alles Gute... und vor allem viel Erfolg mit Deinem eBook. 8-)

Wie verkauft man das eigentlich während einer Lesung (...frage ich mich immer wieder, wenn ich daran denke, ich würde meine Bücher nur als eBook veröffentlichen...)? :roll:
Man sollte eine mobile eBook-Bar erfinden und mit sich führen. Alle Kristallfeder-Bücher zum Einheitspreis als Lesungs-Sonderangebot dabei, für 5,- EUR mehr gibt es gleich den entsprechenden kleinen USB-Stick mit aufgedruckter Kristallfeder-Werbung zum Heimtragen des gekauften eBooks dazu zu erwerben. :mrgreen:
Oder der Käufer bringt eben in weiser Voraussicht seinen eigenen virengeprüften USB-Stick mit. :ugeek:

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