Mach es selbst oder geh' zum Verlag - Kann man davon leben?

Mach es selbst oder geh' zum Verlag - Kann man davon leben?

Beitragvon Stefan Jahnke » 18. Jun 2013, 17:35

Hallo miteinander!

  • Wie macht man es richtig, ein Buch zu verlegen?
  • Wo gibt es die besten Chancen, Erfolg zu haben?
  • Wie sieht dieser Erfolg aus?
  • Kann man davon leben?

Bringen uns diese Fragen weiter oder führen sie in eine Streit schürende Sackgasse?

Meine Gedanken zum Thema habe ich hier einmal versucht, in erster Version in Worte zu fassen:

Ich sehe anhand der vielen die verschiedenen Verlegeformen, Verkaufszahlen, Erfolg und Einnahmen betreffenden Beiträge in verschiedensten Foren, dass, wie man ein Buch auf diese oder jene Weise an den Markt bringt, vielleicht gar nicht miteinander zu vergleichen ist, Verlagsautor und Selfpublishing (SP) sich zwar irgendwo ähnlich sind (wie ein Straußenei einem von den Hühnern) und sie erst an einer Stelle zusammen kommen: Beim Leser. Denn sogar beim Marketing werden für die unterschiedlichen Formen unterschiedliche Aktionen gewählt.

Vergleicht man aber die Zahlen derer in beiden Lagern, die Erfolg haben, kommt man doch wieder auf etwa ähnliche Größen.

SP und Verlagsautor:
Doch nicht so verschieden, eventuell gar vergleichbar?
Keine Ahnung.

Klar kommt aber heraus, dass der Weg über SP der steinigere ist, jedoch auch viel schneller finanzielle Einnahmen bis hin zur Lebens-Sicherheit bringen kann, wenn man dran bleibt.

Vielleicht liegt da auch der Hase begraben:

Man möchte gern groß verlegt werden, wurde aber abgelehnt und will es nun aller Welt zeigen, hat dann mit etwas Glück und viel Mut auch Erfolg...

oder

Man bewies doch, dass man gut ist, weil man beim Verlag ankam... und dann kommt doch nicht der alles verändernde Erfolg.

oder

Man schaffte nach viel Arbeit den Sprung zu einem gut arbeitenden Kleinverlag oder gar zum Publikumsverlag und kann auf alle, die es nicht schafften, herabsehen... ob nun über sie lachend oder sie bedauernd.

oder

Man möchte sich nicht verbiegen, sich keinem fremden Willen beugen, aber für sein Werk voll einsetzen und schafft alles allein, sogar den Erfolg.

oder

Man wagt sich nicht auf die SP-Schiene, weil sie vielleicht den eigenen Namen besudelt, verrufen ist, viele schwarze Schafe beinhalten, Stress verspricht, schafft aber irgendwie trotz kleiner Lichtblicke keinen wirklichen Erfolg in der Verlagswelt und ist neidisch auf die SP-ler, die es einfach nur anders machten.

Dieses Spiel kann man in beide Richtungen noch stundenlang fortsetzen. Jede der getroffenen und noch zu treffenden Aussagen stimmt und ist doch wieder falsch... beflügelt und macht traurig... ohne und mit Grund, Sinn und Verstand.

Und immer wird es Beispiele geben, die für oder gegen etwas sprechen. Überall gibt es Eintagsfliegen und standhaft durchhaltende Kämpfer, Stars und Versager. Das ist branchenübergreifend... Der ewige Hinweis darauf, dass der dort oder die da nur ein Zufall, eben ein glücklicher Umstand sind, lässt sich genauso auf jede 180 Grad gedrehte Meinung anwenden. Die zur Verfügung stehenden Leser werden nicht (viel) mehr, eher weniger, die Buchveröffentlichungen steigen aber stetig, auch wenn viele SP-Veröffentlichungen in der offiziellen Statistik (offiziell: rd. 80...100 tausend pro Jahr, mal etwas zu- und wieder abnehmend) aus verschiedensten Gründen fehlen. Das abbeißbare Kuchenstück je Autor u/o Verlag wird also stetig kleiner...

Ob nun mit Vorleistung, Risiko, Mut, Verzweiflung, Engagement, Zeit... in jeder der Phasen unseres schreibenden Tuns müssen wir etwas oder gar alles von uns für unseren Text einsetzen. Der eine mehr, der andere weniger. Gegenseitige Aufrechnung für einen selbst oder im Vergleich zu anderen bringt dabei nicht wirklich etwas.

Bekommt ein Verlagsautor für ein zwei Jahre oder länger geschriebenes und bearbeitetes Buch erst einmal einen Vorschuss von 5.000 Euro, ist er gut bedient und... glücklich. Wer rechnet da die wirklich eingesetzten Stunden zusammen und bestimmt einen Stundensatz? Wer kann einschätzen, wie viel Geld noch für den gleichen Titel vom Verlag kommt, wie der Verkauf anläuft und wie lange er noch etwas abwirft? Wer rechnet die eigenen Manuskripte zusammen, die vorher und auch künftig von Verlagen abgelehnt wurden, darum in der Schublade liegen (Zeit, Schweiß...), wer die Ausdrucke, falls der Verlag keine elektronischen Einreichungen haben wollte (Papier, Toner, Tinte...), wer das Porto, um überhaupt einen Verlag zu finden (Umschlag, Verlagsrecherche...)? Pro angenommenem Manuskript kommen so sicher schnell über 20 ... 100 ... gar viel mehr Euro an Vorkosten zusammen.

Bekommt ein SP nach Veröffentlichung seines Buches pro Monat über ein Jahr lang oder länger 200 ... 500 Euro, setzt davon die Hälfte für Werbung ein, legt noch zurück für das nächste Buch, Korrektorat, Lektorat, Covergestaltung, Satz... verkauft selbst Bücher und puscht dadurch und durch seine Aktivitäten seinen Namen, kann er bald schon wieder am nächsten Buch, der nächsten Story schreiben, sieht nicht die (elektronischen) Berge nicht veröffentlichter Texte, sondern eher die, die er herausbrachte, rechnet (wie sein Verlagskollege ebenso) nicht die verbrauchten Zeiten zusammen und kann, wenn er dran bleibt, schnell genauso viel oder gar weitaus mehr einnehmen und nach Abzug seiner Vorkosten auch verdienen, als der Verlagsautor... (und hat zusätzlich noch das Gefühl, sein Produkt, für das er ja die Hand ins Feuer legt, auch noch selbst an den Mann, die Frau gebracht zu haben - okay, das ist Geschmackssache... macht aber auch etwas her).

Jeder Autor investiert in seinen Text. Ob nun 'nur' Zeit und Grips, oder auch Geld. Wichtiger bei diesen Diskussionen erscheinen mir nicht das Ausfechten des 'Ich bin besser und Du ein Nichts', sondern die Erfahrungen auf dieser und jener Seite, der Umgang mit dem Konsumenten, dem alles Wohl und Wehe mitbestimmenden und damit den wichtigsten Stein im Spiel darstellenden Leser.
Vermasselt das der (Verlags- oder SP-)Autor, interessiert sich niemand für ihn (selbst bei einer gewaltigen Werbemaschinerie).
Vermasselt es der Verlag, kommt es zu ähnlicher Ablehnung vom Leser.
Funktioniert es, freuen sich alle je nach Verlegeform vorhandenen Seiten.

Das finde ich unheimlich spannend!

...und ganz nebenbei...
Auf beiden Seiten (Verlagsautor und SP) gibt es Autoren, die vom Schreiben (sehr) gut leben können... und ebenso... nicht.
Auch da gibt es wieder Parallelen zu anderen Branchen... Gleicher Job, andere Bezahlung wg. ...Geschlecht, Bundesland, Unternehmensform, Verhandlungsgeschick.

Vom Schreiben leben ist wenigen vorbehalten. Wie es geht, dafür gibt es mit Sicherheit kein Erfolgsrezept. Sicher ist aber, dass jeder Autor, der zu seinem Text steht, das Zeug dazu hat, eines Tages diesen Traum erfüllt zu bekommen... bzw. sich selbst zu erfüllen.

Sagt ein Autor: Ich habe 40.000 Euro mit meinen Büchern eingenommen und 12.000 Euro ausgegeben, klingt das gut. Sagt er aber, diese Summen kamen 2008 bis 2012 zustande, kann man vom Gewinn keine Familie ernähren. Denn Versicherungen und Fiskus wollen auch noch ihren Teil.

Zum Schluss bleibt die Frage: Wird der Erfolg halten?
Immer ein Spiel... mit Feuer... und, wie für uns Autoren üblich... mit Worten.

Und wie seht Ihr das?
Ich bin gespannt auf Eure Meinungen!

Viele Grüße aus Dresden
vom Stefan
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Re: Mach es selbst oder geh' zum Verlag - Kann man davon leben?

Beitragvon Sandra » 23. Jun 2013, 11:03

Nur ganz kurz erstmal (ich versuche mal auf die anderen Fragen jeden Tag eine Antwort zu geben. So viel zu schreiben wie du schaffe ich zeitlich nicht ;) )

Man muss unter dem Verlagsautor auch noch zwischen Kleinverlag und großer Verlag (ich schreibe absichtlich nicht Publikumsverlag, weil auch ein seriöser Kleinverlag ein Publikumsverlag ist) unterscheiden.

Demzufolge kann ich nur Standpunkte zu Kleinverlag-Autor und SP geben :mrgreen:
Liebe Grüße
Sandra
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Re: Mach es selbst oder geh' zum Verlag - Kann man davon leben?

Beitragvon Sandra » 23. Jun 2013, 19:31

Man möchte gern groß verlegt werden, wurde aber abgelehnt und will es nun aller Welt zeigen, hat dann mit etwas Glück und viel Mut auch Erfolg...


Hier muss man dazu sagen, es gibt Autoren, die wirklich nicht schreiben können. Schreiberlinge, bei denen einem bei jedem Satz die Haare zu Berge stehen, weil alles falsch ist, was man nur falsch machen kann. Angefangen von RS-Fehlern bishin zur (fehlenden) Logik. Manchmal kann man gar nicht entziffern, was die "Autoren" wirklich meinen. Da schreiben viele Kinder in der Grundschule bessere Aufsätze.
Und ich glaube, genau das ist das Problem: Es gibt zu viele, die denken, dass sie schreiben können. Dann kommt jemand, in dem Fall der böse Verlag, der sie nicht annimmt (zu Recht). Deswegen stürmen sie zu den Möglichkeiten des SP.
Leider ist dort dann der Unterschied zwischen wirklich guten Büchern und dem absoluten Schrott nicht mehr herauszufiltern. Zumindest nicht so schnell.
Würde es auch bei den SP eine Art Qualitätsprüfung geben, sehe das alles anders aus. Dann wäre es nicht mehr so verschrieen und die SP-Autoren hätten auch eine größere Chance, gelesen zu werden.
Liebe Grüße
Sandra
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Re: Mach es selbst oder geh' zum Verlag - Kann man davon leben?

Beitragvon Sandra » 23. Jun 2013, 19:37

Klar kommt aber heraus, dass der Weg über SP der steinigere ist, jedoch auch viel schneller finanzielle Einnahmen bis hin zur Lebens-Sicherheit bringen kann, wenn man dran bleibt.


Das kommt darauf an, ob man GUT ist. Im Schreiben und in der Vermarktung ;)
Ausschließen würde ich das auf keinen Fall.
Liebe Grüße
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Re: Mach es selbst oder geh' zum Verlag - Kann man davon leben?

Beitragvon Stefan Jahnke » 24. Jun 2013, 07:17

Leider stehen im Buchladen um die Ecke nur sehr wenige, sogar in einigen Fällen gar keine SP-Bücher.
Damit beschränkt sich die 'Schlacht' zwischen Verlags- und SP-Autoren um den Leser derzeit zum großen Teil auf das Internet.

Im Internet ist der Leser/Käufer von vorn herein angehalten, vorsichtig zu sein. Denn selbst auf bekannten und allseits beliebten Seiten lauern manchmal in Form von Werbung und darin enthaltenen unlauteren Links viele Fallen, die den Computer mit Viren oder das Bankkonto mit Leere befallen können.

Kauft man im Internet ein Buch/eBook, liest man natürlich die Rezensionen zum entsprechenden Titel. Diese können wahr sein oder auch nicht. Dazu gibt es in vielen/den meisten Fällen Leseproben, in die man sich kostenlos hineinlesen, die man sogar ebenso kostenlos auf seinen eBook-Reader herunterladen kann. Somit ist der Leser trotz der Fülle des Angebotes nicht mehr nur an ein Cover und einen Klappentext gebunden, um seine Kaufentscheidung zu treffen.

Die Mündigkeit des Lesers wird in verschiedenen Foren gerade bei der Auswahl zwischen Verlagsbuch und SP-Buch oft infrage gestellt. Zu Unrecht, meine ich. Denn wenn das Geld so locker sitzt, dass man mal schnell für 99 Cent ein SP-eBook mitnimmt, ohne es vorher zu prüfen, und sich dann aus dessen Qualität die Meinung über ein ganzes Genre bildet, wäre wirklich etwas mit dem Verständnis zwischen Geld, Inhalt und Sinn des Handelns nicht in Ordnung.

Jedoch... macht es der durchschnittliche Leser denn wirklich so?

Ich sage einmal vorsichtig: Nein. Er liest sich ein, findet einige Passagen oder auch die Story gut und kauft dann.

Alles andere kann man in die Sparte 'Hätte mir auch mit einem 99-Cent-Buch vom Verlagswühltisch passieren können' stecken, denn was dort landet, ist neben Überproduktion (die nicht auf ausreichende wirtschaftliche und marktstrategische Kenntnisse des jeweiligen Verlages schließen lassen), Geschäftsauflösungen (die es immer einmal wiede gibt) auch der Qualität des Buches geschuldet (wobei wir wieder bei der Schwarzen Kunst der Auswahl der Texte durch einen richtigen Verlag wären). Denn auf dem Wühltisch... findet man SP-Bücher in der Regel nicht.
Trotzdem sind diese Tische in guten Buchhandlungen, Bahnhofsläden, 99-Cent-Shops usw. immer voll...

Qualitätskontrolle scheint also das gravierende Problem des stationären Buchhandels zu sein, denn dort muss man in dem Moment zur Auswahl des Buches Zeit haben, in dem man im Laden steht. Sonst hat man den Weg dahin noch einmal. Im Internet bieten sich weitaus mehr Möglichkeiten zur korrekten Auswahl des entsprechenden Werkes und man kann jederzeit, auch mitten in der Nacht, wenn man aus einem bösen Traum hochschreckt, nachschauen, welche Vampir- oder Mordsgeschichten man noch sichten wollte, um sich künftig einen noch gruseligeren Abend zu gestalten.

Der Markt reguliert vieles. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass man seine Texte nicht in der Schublade versauern lässt, wenn man zu ihnen steht, sie wirlich gut findet. Hat man dann noch den Mut, mit Niederlagen und viel Arbeit umgehen zu können, bleibt die Entscheidung für alle Seiten offen... Verlag oder SP.
Aus meiner Sicht kann man auf beiden Seiten erfolgreich sein... als durchschnittlicher Autor jedoch mit Erfolg bei SP weitaus schneller und vor allem mehr verdienen, als im Verlag.

Dazu noch Folgendes aus meiner Sicht:
Manchmal gehen wir natürlich von unserer eigenen Denke aus, wenn wir ein Buch verreißen, den Inhalt, die Machart, Stil und Rechtschreibung als einfach nur schlecht bezeichnen. Trotzdem wundert man sich gerade bei einigen Exemplaren dieser Art manchmal zu recht über die Verkaufszahlen...
Dies ist meines Erachtens nach ein Zeichen für den Gesundheitszustand unserer Gesellschaft. Und auch den bestimmen nicht die Autoren, wenn sie Schlechtes oder Gutes liefern, sondern eindeutig die Menschen, die Leser, die so etwas kaufen.
Das zu verdammen, wäre... gesellschaftspolitisch schwierig.
Trotzdem muss man diese vielleicht missratenen Bücher nicht mögen, kann jedoch Respekt dafür haben, dass jemand trotz aller Vorurteile damit einiges erreicht...
Und werden solche Bücher nicht gekauft... tritt wieder die Regulierung durch den Markt ein.
Das wiederum ist sicher recht spannend!

Viele Grüße aus Dresden
vom Stefan
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